Die Geschichte der Reddelicher Bäckerei.
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Die Reddelicher Häuslereien (H 33 = Bäcker) in der heutigen Örtlichkeit |
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Die Bäckerei in einer Ansicht von 2009. |
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Aus dem Küstenreporter, September 1995. |
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Die Bäckerei wird in den Unterlagen als Häuslerei 33 geführt und ist derzeit im Besitz der Familie Harms, die sich nicht einfach nur als Handwerker ihren Lebensunterhalt erkämpft, sondern sich auch dem Gemeinwohl verpflichtet fühlt.
1909 erwarb der Bäckermeister Richard Bernd aus Rostock von der Gemeinde das Grundstück, das als Häuslerei 33 ausgewiesen wurde, und errichtete darauf eine Bäckerei. Im gleichen Jahr wurde das Grundstück an seine Ehefrau Anna übertragen.
1921 wurde ein Schuppen auf dem Grundstück gebaut.
1924 starb Richard Bernd.
1928 ließ die Eigentümerin einen Pferdestall errichten.
1930 verkaufte Frau Bernd, nachdem sie den Schneidermeister Johann Westphal aus Bad Doberan geheiratet hatte, die Bäckerei an den Bäckermeister Hans Möller aus Bützow.
1956 verpachtete Hans Möller die Bäckerei aus gesundheitlichen Gründen an den Bäckermeister Hübsch.
1960 verstarb Hans Möller.
1961 pachtete das Ehepaar Marienfeld aus der Malchiner Gegend die Bäckerei.
1965 kauften die Pächter Marienfeld die Bäckerei von Frau Möller.
1995 übernahm Ulf Marienfeld die Bäckerei von seinen Eltern, die in den Ruhestand gegangen waren. Dazu schrieb der KÜSTENREPORTER unter dem Titel: Generationswechsel vollzogen – Sohn übernahm traditionsreichen Familienbetrieb
Reddelich. Bäckermeister Paul Marienfeldt und seine Frau Christine übergaben nach 34jähriger Selbständigkeit am 1. August 1995 die Bäckerei an ihren Sohn Ulf und seine Partnerin Heike Tessmer, die seitdem den Familienbetrieb in bewährter Form weiterführen. Das heißt aber nicht, daß die Eltern nun die Hände in den Schoß gelegt haben oder auf Reisen gehen, nein, sie sind weiterhin für den Betrieb da, nur daß sie jetzt in der zweiten Reihe stehen. Den vielen Kunden möchte die Familie Marienfeldt auf diesem Wege für die Treue und das entgegengebrachte Vertrauen recht herzlich danken.
Die Bäckerei Marienfeldt ist im ganzen Kreis Bad Doberan bekannt und zu „DDR – Zeiten” setzte immer zu den Wochenenden eine wahre „Kundeninvasion” ein. Beutel und Taschen mußten mit Bestellungen für Brot und Brötchen gefüllt werden und es kam nicht selten vor, daß der Mitarbeiter eines Betriebes über 100 Brötchen für seine Kollegen mitbrachte.
Inzwischen sind Ladengeschäft, Lager und Backstube modernisiert und neu eingerichtet. Und ein neuer Backofen wurde gebaut, so daß für die Mitarbeiter beste – Arbeitsbedingungen vorherrschen. Auch heute ist es, trotz der vielen Mitbewerber in der Backstube und im Laden nicht ruhiger geworden. Die Gesellen Manfred Burmeister und Michaela Trost sowie Lehrling Astrid Glockzin und Verkäuferin Marion Gutmann haben alle Hände voll zu tun. Ob Brot oder Brötchen, Torten oder Kleingebäck, vielfältig ist das Angebot und nach wie vor werden täglich ca. 1500 Brötchen verkauft. Selbst in anderen Geschäften des Kreises, wie z.B. der Fleischerei Hackendahl, im Edeka Markt Neubukow und in den Landverkaufsstellen in Alt Bukow, Körchow, Russow, Jennewitz und Biendorf sind die Backwaren „Made in Reddelich” im Angebot. Trotz der vielen Arbeit setzt sich der Juniorchef , Bäckermeister Ulf Marienfeldt als Abgeordneter der CDU-Fraktion für die Belange der Gemeinde ein. Ganz in diesem Sinne ist auch das Engagement der Familie Marienfeldt, für die Kindereinrichtung der Gemeinde zu besonderen Anlässen Backwaren zu spenden.
Dies ist ein typisches Beispiel für die allgemeine Spendenbereitschaft der ortsansässigen Firmen, wenn es um gemeinnützige Zwecke geht und der dörflichen Gemeinschaft dient.
2009, anläßlich des 100sten Geburtstag der Bäckerei, veröffentlichte Reinhold Griese in der RADUCLE Nr. 9 folgenden Artikel:
100 Jahre Bäckerei in Reddelich
Das Leben in Reddelich ist seit über hundert Jahren ohne die Bäckerei kaum vorstellbar. Während meiner Kindheit bin ich als ehemaliger Nachbar, besonders im Sommer bei offenen Fenstern, mit dem Duft von frischem Brot aufgewachsen. Natürlich habe ich auch viel über die Arbeit in dem Handwerksbetrieb erfahren. Gespräche mit dem Ehepaar Marienfeldt und mit Gerhard Köster(Lübeck), dessen Vater Paul Köster dort 37 Jahre lang bei drei Bäckern als Brotfahrer angestellt war, gaben mir interessante Informationen über die hundertjährige Geschichte der Bäckerei. (…)
Bäckerei Bernd
Bevor der Bäckermeister Richard Bernd sich in Reddelich niederließ, wurde das Brot auch in Reddelich auf einigen Bauernhöfen selbst gebacken. Ältere Reddelicher werden sich noch an die Backhäuser erinnern, die auf den Bauernhöfen von Wilhelm Kruth und Wilhelm Uplegger standen. Angefangen soll es mit der Bäckerei in Reddelich im jetzigen Hause der Familie Brüshaber haben. Im Jahr 1909 ließ dann Richard Bernd die Bäckerei am heutigen Standort bauen. Bis zur Umstellung auf elektrischen Strom wurde die Teigknetmaschine durch einen Göpel – auch Rosswerk genannt – angetrieben. Der Rundganggöpel befand sich auf dem Nachbargrundstück. Das war eine mechanische Vorrichtung. An einem langen Hebel waren Pferde angespannt. Diese zogen im Kreis. Sie setzten über eine Vorrichtung aus Wellrädern als Transmission eine Hauptwelle in eine Umdrehungsgeschwindigkeit. Über diese Welle wurde dann die Maschine in eine rotierende Bewegung versetzt und somit der Teig geknetet.
Im Jahre 1924 verstarb Bäckermeister Bernd. Seine Frau führte den Betrieb bis 1930 weiter. Sie ließ noch im Jahre 1928 das hintere Gebäude von der Baufirma Elbrecht aus Bad Doberan errichten. Als sie dann den Schneider Westphal aus Bad Doberan heiratete verzog sie dorthin. Frau Bernd hat immer mit großem Interesse die weitere Entwicklung der Bäckerei aufmerksam verfolgt. Sie war noch 1962 in Reddelich und wollte »den neuen Bäcker kennen lernen«, wie sie sich ausdrückte. Das war inzwischen Paul Marienfeldt.
Bäckerei Möller
Vorerst geht unsere Geschichte aber noch weiter: Bäckermeister Möller erwarb 1930 den Handwerksbetrieb und führte ihn bis zum Jahre 1956. Aus gesundheitlichen Gründen übergab er ihn an den Bäckermeister Herrn Hübsch in Pacht. In all diesen Jahren bis 1960 versorgte die Bäckerei nicht nur über den Laden, sondern auch durch einen mobilen Handel die Bevölkerung von Reddelich und Umgebung vor allem mit Brot und anderen Backwaren. So gab es zwei Brotwagen und für den Winter sogar einen Schlitten mit einem Aufbau für das Brot. Paul Köster befuhr an vier Tagen in der Woche die Gemeinden Jennewitz, Steffenshagen, Wittenbeck, Hinter-, Klein- und Vorderbollhagen bis nach Kühlungsborn mit dem großen Brotwagen, einem Zweispänner. Die Tour nach Dorf- und Hofglashagen, Stülow bis zum Stülower Weg in Bad Doberan und Brothagen fuhr der Bäckermeister mit einem Einspänner selbst, manchmal auch die Tochter Rita Möller. Als Paul Köster im Jahre 1958 in Rente ging war Herr Harder bis 1960 Brotwagenfahrer. Die Versorgung über Land wurde dann eingestellt. In diesen Jahren wurde neben der Bäckerei auch noch eine Landwirtschaft betrieben. Für die Bestellung des Ackers durch Paul Köster waren zwei Tage in der Woche vorgesehen. Neben den drei Pferden wurden auch noch Kühe, Schweine und Hühner gehalten.
Nach dem Krieg wurde die Backstube um den ehemaligen Laden, der über den Hausflur zu erreichen war, erweitert. Der neue Laden wurde vorne nach der Straße hin angebaut. Gebacken wurde mit einem sog. doppelherdigen Seitenfeuerungsofen, der mit Holz und Kohle geheizt wurde. Im Jahre 1951 schaffte sich Hans Möller neue Maschinen an, welche die Arbeit wesentlich erleichterten. Darunter war eine Teigausrollmaschine, die die Brotlaiber genau nach Gewicht und Größe ausrollte.Bäckerei Marienfeldt
Am 1.August 1961 übernahm das Ehepaar Marienfeldt, das aus der Nähe von Malchin nach Reddelich kam, die Bäckerei zuerst in Pacht. Im Jahre 1965 kauften sie diese von Frau Möller, Hans Möller war 1960 verstorben. Neben den Verkauf im Laden belieferte Paul Marienfeldt das Volkseigene Gut Vorderbollhagen mit einem Motorrad mit Beiwagen. Im starken Winter 1963 blieb er damit im Schnee stecken. Er erhielt dann unter großen Schwierigkeiten auf Antrag im April 1963 einen Wartburg Kombi. Beliefert wurden in den späteren Jahren fünf eigenständige Verkaufsstellen in Neubukow, Kröpelin und Kühlungsborn. Im Jahre 1976 wurde ein neuer doppelherdiger Dampfbackofen mit Kohlefeuerung und nach der Wende ein Dampfbackofen mit Ölfeuerung eingebaut. Dazu war es notwendig vier Behälter mit je 2000 Liter Heizöl zu installieren. Auch neue Maschinen wurden angeschafft.
Im Jahre 1995 übergaben die Marienfeldt`s die Bäckerei an ihren Sohn Ulf. Wobei sie beide sich nicht ganz zurückzogen, sondern ihrem Sohn mit Rat und Tat zur Seite standen.
Bäckerei Harms
Nach dem Tod von Ulf Marienfeldt kaufte das Bäckerehepaar Harms die Bäckerei und betreibt diese bis zum heutigen Tag. Sie und ihre Angestellten schreiben die Geschichte der Bäckerei in Reddelich fort. Das Ehepaar Marienfeldt verbringt jetzt ihren wohlverdienten Ruhestand in einem Haus, das sie auf dem ehemaligen Grundstück der Bäckerei bauen ließen.
Die Bäckerei in Reddelich zeugt von 100jährigem Handwerkerfleiss über mehrere Generationen von Bäckermeistern, ihren mithelfenden Ehefrauen und Kindern, den Gesellen, Lehrlingen und Brotwagenfahrern. Sie versorgten in all` den Jahren die Bevölkerung von Reddelich und Umgebung. Sie schauten nicht auf die vielen Arbeitsstunden in der Nacht und am Tage.
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