Geschichte der Hufe VIII in Reddelich

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Reddelich-Lageplan der historischen Bauernhöfe
Lage der Bauernhöfe in heutiger Örtlichkeit.
Reddelicher Bauernscheune 2009
Zeitungsausriss zum Brand in Reddelich 1928
Hufe VIII in der Ortslage Reddelich

Von Reinhold Griese (Recherche), Ulf Lübs (Layout).

Vom Hof der Hufe VIII steht Derzeit lediglich der ehemalige Stall,die heutige Reddelicher Bauernscheune. Sie ist Firmensitz der Reddelicher Firma Denkert Haustechnik und Kulturzentrum für Veranstaltungen aller Art. Der Hof wurde in den 1950er Jahren aufgegeben und das Wohnhaus mit Nebengelass abgerissen. Das Areal des ehemaligen Hofes wird Heute als Gemeindezentrum für Sport und Dorffeste genutzt.

Als erster Hauswirt lässt sich im 18. Jahrhundert Joachim Rathsack nachweisen.

1704 war Jochim Schwark lt. Beichtkinderverzeichnis Hauswirt.

1733 übernimmt Berthold Schwarck die Bauernstelle als Hauswirt. An Vieh wurden inventarisiert: 8 Pferde, 4 Ochsen, 2 Kühe, 2 Starken, 4 Stiere, 3 Kälber, 5 Schafe, 10 Schweine, 6 alte Gänse und 10 Hühner.

1750 übernahmen Joachim Bull die Bauernstelle.

1753 sind in der Liste der Leibeigenen des Amtes Doberan für die Hufe VIII der Hauswirt Jochim Schwarck (geb. 1703) und dessen Frau Maria Rowoldt (geb. 1713) aufgeführt. Die Kinder heißen Clas (geb. 1729), Hans (geb. 1733), Jochim (geb. 1735), Albrecht (geb. 1737), Margarethe (geb. 1742), Berthold (geb. 1744), Andreas (geb. 1747) und Maria (geb. 1749).
Zum Gesinde gehörte Elisabeth Schoffen aus Hohenfelde.
Im Katen des Gehöfts wohnten: Hans Ruwoldt (geb. 1703) und Catharina Schoffen mit dem Kind Joachim; Hans Vick (geb. 1693) und Sabine Wittmann (geb. 1693) mit Kind Jacob.

1754 übernahm Joachim Masch die Bauernstelle.

1777 wurde das Wohnhaus für den Hauswirt Clas Schwarck (geb. 1729) erbaut.

1826 ist Johan Heinrich Masch als Hauswirt genannt.

Bei der Übernahme der Bauernstelle im Jahr (?) wurde der Viehbestand mit dem Inventar von 1733 verglichen. Es fehlten ein Pferd, ein Stier, eine Kuh und ein Kalb. Johann Masch konnte die Wirtschaft übernehmen, wenn er die Hofwehr auf den Stand von 1733 bringt.

1839 wurde der Knecht Daniel Baade Hauswirt, der mit der Tochter von Johann Masch verheiratet war.
Das geforderte Inventarium war vorhanden. Als Altenteil erhielt das Ehepaar Masch jährlich 18 Scheffel Roggen, einen Scheffel Weizen, fünf Scheffel Gerste, drei Scheffel Erbsen und zehn Scheffel Hafer. Die Bestimmung besagte: Wenn einer von beiden versterben würde, hätte der Überlebende nur einen Anspruch auf die Hälfte. Weiterhin gehörte zum Altenteil die Überlassung einer Mietwohnung im Altenteilkaten und ein »billiges« Taschengeld.
Der Arbeitsmann Voß und seine Ehefrau, geb. Lange aus Satow verlangten von dem Erben des Hauswirtes Masch die Alimente für ein außerehelich geborenes Kind.

1867 wurde ein Altenteilhaus erbaut mit einliegerwohnung gebaut.

1869 verstarb der Hauswirt Daniel Baade.
Er hinterließ die Witwe Sophie Baade, geb. Westendorf und den volljährigen Sohn, Johann (geb. 1844) (offensichtlich aus erster Ehe [UL]) Dieser erklärte:

Wegen meiner Krüppelhaftigkeit und Schwächlichkeit halte ich mich nicht für befähigt das väterliche Gehöft Nr. 8 hieselbst als Hauswirt zu übernehmen. Unter der Bedingung, dass mir auf dem Gehöfte der nötige Unterhalt gegeben und ich dort meine Obdach behalte, verzichte ich auf die Gehöftsnachfolge zugunsten meiner Halbgeschwister, vorausgesetzt, dass das Großherzogliche Amt diesen Verzicht genehmigen wird, worum ich hiermit bitte.

1874 konnte die Vererbpachtung des Gehöftes nicht erfolgen, da der Gehöftsnachfolger erst 17 Jahre alt war.
Der Erbpachtkontract wurde 1882 mit Joachim Baade geschlossen. Das Erbstandsgeld betrug für die 53 Hektar mit Hofwehr 25.000 Reichsmark.

1886 wurde von der Hofstelle 6250 m² Land für den Bau der Wismar – Rostocker Eisenbahn entnommen.

1890 und 1900 benennen Volkszählungsunterlagen Joachim Baade, (geb. 1856), als Hauswirt.

1927 (1. Februar) Joachim Baade, Hufe VIII: Aufwertung des Kanonkapitals von 25.000,- Papiermark auf 6.250,- Goldmark, Inflationsbedingt.


1928 (15. Dezember) Ein Brand auf dem Bauernhof VIII vernichtete den Kuh- und Pferdestal.
Zu diesem Großbrand veröffentlichte Klaus Kretschmann einen Artikel in der RADUCLE Nr. 12. Nachfolgend Auszüge daraus:

Zu dem Großbrand im Jahre 1928 in Reddelich berichtete im Jahr 2008 Zeitzeuge Willy Schultz (1922 – 2009):
„…Das erste Großfeuer in Reddelich, an das ich mich gut erinnern kann, war zwischen Weihnachten und Neujahr 1929, vielleicht auch in den ersten Januartagen 1930… Nach einem Streit wegen der Viehfütterung hatte ein Landarbeiter in der Nacht den Stall des Bauern Albert Schmidt angezündet. Unsere Feuerwehr versuchte zu löschen. Die Doberaner Feuerwehr kam auch. Während die Pferde gerettet werden konnten, verbrannten im Stall zehn bis fünfzehn Kühe. Der Brandstifter, der sich in einer Hecke zwischen den Grundstücken von Wilhelm Rowoldt – jetzt Wohnhaus Wellach – und Hermann Baade versteckt hatte, wurde gleich festgenommen und später vor Gericht gestellt. Exakt an der Stelle des abgebrannten Stallgebäudes befindet sich heute die Reddelicher Bauernscheune, errichtet von der Baufirma Westendorf aus Reddelich…“

Willy Schultz war zum tatsächlichen Zeitpunkt des Brandes ein sechsjähriges Kind. Wenn er sich auch bei der Jahreszahl irrte, stimmen seine Erinnerungen mit den jetzt vorliegenden Erkenntnissen im Wesentlichen überein.

…Landwirt Albert Schmidt war 1928 Verwalter und später Pächter des Bauernhofes von Hermann Baade auf dem heutigen Areal zwischen Bauernscheune und der B 105.

…Als der Brand gegen 3:30 Uhr von Nachbarn bemerkt wurde, schlug das Feuer schon aus dem strohgedeckten Dach des Viehhauses heraus. Verzweifelt versuchte man, die Tiere ins Freie zu führen und den Brand zu löschen. Zuerst vor Ort war die Freiwillige Feuerwehr Reddelich, die aus dem gut 100 Meter entfernten Spritzenhaus mit ihrer Handdruckspritze und zwei fahrbaren Wasserbehältern anrückte. Nach einiger Zeit traf dann die Motorspritze der Doberaner Feuerwehr ein. Auch andere Wehren aus den Nachbarorten beteiligten sich an der Brandbekämpfung. Die Feuerwehrleute mussten sich aber auf das Eindämmen des Brandes beschränken, um ein Übergreifen auf andere Gebäude zu verhindern. Besonders gefährdet war die damals gegenüberliegende Baadesche Scheune. Heute befindet sich dort der Reddelicher Fußballplatz.
Von Zeitzeugen ist überliefert, dass ganz Reddelich an diesem nächtlichen Dezembermorgen von dem brennenden Viehhaus taghell erleuchtet war.
Letztlich wurde das Viehhaus bis auf die Grundmauern eingeäschert. Zuvor gelang es aber, sämtliche Pferde und 16 Kühe zu retten. 19 Rinder erstickten in den Flammen. Alle im Viehhaus gelagerten Futtervorräte, darunter ca. 100 Zentner Hafer sowie Maschinen und Stallutensilien, verbrannten. Ein Fohlen verendete später an den Brandverletzungen. (…)

[Quellen:
Universitätsbibliothek Rostock, Rostocker Anzeiger (Siehe Seitenleiste) und Ostsee-Bote vom 16.12.1928
(…)
Projekt Zeitensprünge 2008 (Chronik der FFw Reddelich),
Gespräch mit Willy Schultz vom 30. 10.2008]

1929 wurde ein Viehhauses gebaut. Für den Hofbesitzer, der entmündigt war, haben die Vormünder Wilhelm. Baade und Albert Frahm den Vertrag für den Neubau unterzeichnet, Die baupolizeiliche Abnahme erfolgte 1929. Die Bauernstelle hatte Albert Schmidt, Schwiegersohn von Joachim Baade und Ehemann von Meta Baade, gepachtet.

1930 verstarb Joachim Baade (geb. 1856), Hermann Baade übernahm den Hof.
Im gleichen Jahr wurden 1906 m² Land mit dem Altenteilkaten vom Hof abgetrennt und die Häuslerei 38 gegründet. Diese übernahm der Landarbeiter bei Hans Barten, Otto Schultz, für ein Kaufpreis von 6.250 RM. Durch den Verkauf der Häuslerei wurde es Hermann Baade möglich, sich das Kapital zu beschaffen, das er zur Übernahme der Hufe brauchte, um die Gläubiger der Bauernstelle auszuzahlen.

1951 nahm Hermann Baade sich das Leben.
Die Erbengemeinschaft bestand aus der Witwe Elisabeth Baade und den Kindern Herbert Baade (Ausbildungsleiter), Gerhard Baade, Elisabeth Baade (jr.?).
Der Erbengemeinschaft wurde der Verkauf von Vieh und Inventar untersagt, um die Wirtschaftlichkeit der Bauernstelle zu erhalten. Das Land wurde aufgeteilt und verkauft an: Paul Uplegger, Hans Möller, Radivoje Zivanowic, Gerhard Baade, Friedrich Peters, Oscar Wilsky, Friedrich Wilhelm Wollenberg.
Herbert Baade übernahm den Resthof von 4,56 Hektar.

Die letzte Bauernfamilie auf der Hufe VIII waren Friedrich Wilhelm Wollenberg (geb. 1917) und seine Frau Ilse (geb. 1920), geborene Rowoldt.Diese flohen im April 1956 nach Westdeutschland. Nach damaliger Rechtslage fiel der Besitz dem Staat zu, der die Ländereien zur Bewitschaftung aufteilte. Die Gebäude auf dem Hof wurden, bis auf die Heutige Bauernscheune, in den 1950er und 1960er Jahren wegen Baufälligkeit nach und nach abgerissen. [Archiv Sven Morwinsky, 12/2011]