Ortschronik

Ortsgeschichte von Reddelich und Brodhagen, eingebettet in die mecklenburgische Geschichte.

Von Reinhold Griese

Sie haben Ergänzungen oder/und Unterlagen die sie uns zur Verfügung stellen wollen oder möchten uns Ihre Meinung zum Projekt Gemeindechronik mitteilen?

Dafür haben wir ein E-Mailpostfach eingerichtet:

dorfchronik@kulturverein-Reddelich.de


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Reddelich-Lageplan der historischen Bauernhöfe
Übersicht der historischen Bauernhöfe Reddelichs in der heutigen Örtlichkeit.

Die Bauernhöfe (Hufen) Reddelichs


Reddelicher Häuslereien
Plan der Reddelicher Häuslereien in der heutigen Örtlichkeit

Die Büdnereien und Häuslereien Reddelichs


Inhalt


Kapitel 1: Einleitung

Hiermit möchte ich die erste Fassung der erarbeiteten Ortsgeschichte von Reddelich und Brodhagen vorlegen, wobei eine geschlossene Darstellung der Geschichte Mecklenburgs mir als Ortschronisten Anhaltspunkte für die Einordnung der Lokalgeschichte gibt. Die Geschichte der beiden Dörfer betrachte ich aber auch im Zusammenhang mit der deutschen Geschichte, denn das ist wichtig für das Verständnis der Ereignisse. Deshalb präsentiere ich die Fakten der Ortsgeschichte eingebettet in den umfassenderen historischen Prozess.

Die Erforschung der Geschichte beider Orte ist noch lange nicht abgeschlossen. In den Dokumenten gibt es oft ungenaue und widersprüchliche Aussagen, zudem sind Handschriften häufig schwer zu entziffern. Es ist noch viel Arbeit notwendig, um die folgende Darstellung zu ergänzen, zu verbessern und auch zu korrigieren. Auf Fußnoten hinsichtlich der verwendeten Auswahlbibliografie und der Quellen wird verzichtet, weil dieses den Umfang der Ortschronik sprengen würde.
Verweisen möchte ich auf die Nutzung von Dokumenten des Landeshauptarchivs Schwerin (LHAS), des Kreisarchivs Bad Doberan und des Mecklenburgischen Urkundenbuchs (MUB). Weiterhin arbeitete ich mit den Jahrbüchern für Mecklenburgische Geschichte, dem Mecklenburgischen Staatskalender sowie mit einschlägigen Veröffentlichungen zur mecklenburgischen Geschichte.

Heute zeichnen wir uns durch eine hohe Mobilität aus. Wir lernen in relativ kurzer Zeit ferne Gegenden kennen. Dabei nimmt die Sehnsucht auf dem Lande zu leben unter weiten Teilen der Bevölkerung immer mehr zu. Ausschlaggebend für einige ist es, die freie Natur zu genießen. Viele Menschen suchen aber auch die engere dörfliche Gemeinschaft anstelle der Anonymität des Stadtlebens. Oft wird das Landleben jedoch durch eine gewisse Romantik verklärt. Es war aber stets ausgefüllt mit harter und schwerer Arbeit der Bauern, Büdner, Landarbeiter und Handwerker, der Häusler und Einlieger (dies war die standesgemäße Einteilung der Bewohner der Bauerndörfer bis 1918). Heute nun tragen wir den Nutzen davon.
Was aber wissen wir über unsere Heimat? Die Liebe zur Geschichte unserer Gemeinde nimmt zu. Die Freude über die Gegenwart und die Verantwortung für die Zukunft ist eng mit dem Dank an die Vergangenheit verbunden. Viele Generationen vor uns haben die Natur- und Kulturlandschaft geformt, auf die wir heute stolz sein können.

Mit der vorliegenden Dorfchronik wollen wir die Leistungen der Generationen der vergangenen Jahrhunderte würdigen. Ziel der Darstellung der Ortsgeschichte von Reddelich und Brodhagen ist es, die Kenntnisse über die Vergangenheit zu vertiefen und damit die Bindung der Bürger unserer Gemeinde an ihren Heimatort noch enger zu knüpfen. Die Ortschronik soll das Gedächtnis der Gemeinde werden.
Bedanken möchte ich mich für die vielen Anregungen zur Gestaltung der vorliegenden Chronik und freue mich über weitere Hinweise zur Verbesserung der Ausführungen freuen.

Reinhold Griese
Reddelich, im Mai 2011


Hinweise zur Nutzung der Chronik.

Herr Griese hat im Auftrag und in Trägerschaft des Kulturvereins für Reddelich und Brodhagen e. V. in ehrenamtlicher, unentgeltlicher Arbeit eine umfangreiche Chronik unser Gemeinde erstellt. Für diese Fleißarbeit gebührt ihm Dank und Anerkennung.

An dieser Stelle möchte ich einige allgemeine Hinweise geben:

  • Nicht gesondert gekennzeichnete Texte stammen von Herrn Griese, wobei Zitate in seinem Text als solche kenntlich gemacht wurden. Texte anderer Autoren sind mit dem Namen des Autors versehen.
  • Der Link: «Mehr dazu» verweist auf weiterführende, externe Informationen zu dem jeweiligen Eintrag.
  • Einträge aus der allgemeinen Geschichte werden an dieser Stelle nicht weiterführend verlinkt, für nähere Informationen verweise ich auf einschlägige Lexika.
  • Im Text werden viele zeitgenössische Begriffe verwendet. Bei dezenter Unterstreichung dieser wird eine Kurzerklärung in einem sogenannten Tooltipp angeboten.
  • Eine empfehlenswerte Ergänzung ist die vom Kulturverein herausgegebene Dorfzeitung RADUCLE, die seit 2005 halbjährlich erscheint. Sie beinhaltet unter anderem auch viele Artikel zur Geschichte der Gemeinde von verschiedenen Autoren.
  • Die Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Reddelich ist gesondert aufgearbeitet und liegt seit August 2011 als Broschüre zum Kauf vor. Auf der Projektseite ‚Chronik der Feuerwehr‘ ist eine Auswahl relevanter Ereignisse veröffentlicht. In der vorliegenden Chronik werden daher nicht alle, die Feuerwehr betreffenden Ereignisse aufgeführt. Bei Interesse verweise ich auf die Oben genannten Quellen.

Der Gemeinde liegt eine vor mehreren Jahren begonnene Chronik und eine lose Materialsammlung vor, in der leider versäumt wurde, festzuhalten wer wann welchen Eintrag vorgenommen und wer was zur Verfügung gestellt hat. Das Material dieser Sammlung, wie Kopien von Archivmaterial, Zeitungsausrisse und Fotos, ist in die vorliegende Chronik mit eingeflossen. Gerne würden wir aufführen, wer das veröffentlichte Material zur Verfügung gestellt hat. So bleibt nur, uns pauschal bei den ›anonymen‹ Zuarbeitern zu bedanken.

Herr Reinhold Griese, der Leiter des Projektes, ist unter der Telefonnummer 03 81/5 21 54 zu erreichen.

Ulf Lübs (UL)
Reddelich, im Juni 2011

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Kapitel 2: Die Frühzeit bis zur Säkularisation des Klosters Doberan im Jahr 1552

Steinzeit
Funde aus Ur- und Frühgeschichte bezeugen die Besiedlung unseres Landes vor 10.000 Jahren durch Jäger, Sammler und Fischer, um 3000 Jahren v. u. Z. durch sesshaft gewordene Viehzüchter und Ackerbauern. Die für unsere Region typische bäuerliche Lebensweise begann.

Bronzezeit
Aus dieser Periode von 2000 bis 600 v. u. Z. wurden Werkzeuge, Waffen und Schmuck aus Bronze gefunden. Zahlreiche Hügelgräber und ein abgetragenes Hügelgrab bei Reddelich künden von der Besiedlung unserer Gegend.

Eisenzeit
In den Jahren von 600 v. u. Z. bis 600 u. Z. leben in unserem Gebiet germanische Stämme, die Waffen und Geräte aus Eisen verwendeten. Ende des 4. Jahrhunderts setzte die germanische Völkerwanderung nach Südwesten ein.

Slawenzeit
Vom 7. bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts besiedelten Slawen, die von den Deutschen Wenden genannt wurden, unser Land.
Mehr dazu (RADUCLE-Artikel)

995 Erste urkundliche Erwähnung der Michelenburg in einer Urkunde des jungen Kaisers Otto III. (980-1002)
Er versuchte, wenig erfolgreich, die durch die Eroberungszüge unter Karl dem Großen, Heinrich I. und Otto dem Großen gewonnenen und inzwischen verlorenen Positionen bei den Nordwestslawen zurückzugewinnen. Das Jahr 955 gilt als Gründungsdatum von Mecklenburg.

1160 Eroberung des Landes der Obotriten durch den Sachsenkönig Heinrich den Löwen
Der Obotritenfürst Niklot fand 1160 vor der Burg Werle (in der Nähe von Schwaan) den Tod. 1167 erhielt Pribislaw, der Sohn Niklots, große Gebiete des späteren Mecklenburgs als Lehen. Im Jahre 1160 wurde Schwerin gegründet. Niklot gilt als Stammvater des mecklenburgischen Herrscherhauses. Bis Mitte des 13. Jahrhunderts erfolgte die deutsche Besiedlung mit der Gründung deutscher Städte (Rostock 1218, Wismar 1229). Auf dem Lande vermischte sich in der Folge – so offensichtlich auch in Reddelich – die slawische Urbevölkerung mit den Neuankömmlingen von jenseits der Elbe. So entstand ein neuer Volksstamm, die Mecklenburger.
Das deutsche Recht mit der Hufenverfassung, welche die Zuordnung von Ackerland aufgeteilt in Hufen an die Bauern beinhaltete, wurde eingeführt.
Eine Ausnahme bildeten Stülow und Hohenfelde, wo die wendischen Rechtsverhältnisse noch bis ins 14. Jahrhundert als Ausnahme bestehen blieben. Die deutschen Siedler brachten den Bodenwendepflug, die Stallviehhaltung und die entwickelte Dreifelderwirtschaft mit. Als Zugtiere dienten immer mehr neben den Ochsen Pferde mit einem verbesserten Geschirr. Statt der Sichel mit einer gezähnten Schneide wurde zur Grasmahd die Sense benutzt, bald aber auch in der Getreideernte. Die Bauerngehöfte wurden gesondert aufgegliedert und abgeschlossen gestaltet

1171 (1. März) Gründung des Klosters Doberan (Althof)
Der Abt Konrad zog mit seinem Convent von 12 Zisterziensermönchen aus Amelungsborn in Westfalen in die neue Besitzung zu Althof ein.
Der Wendenfürst Pribislaw stattete das Kloster mit einem Gebiet aus, zu dem Doberan (Althof), Parkantin (Parkentin), villa Slauica Doberan (Doberan), Petucha (Hohenfelde), Stulue (Stülow), Raducle (Reddelich), Crupelin (Kröpelin) und Wilsna (Wilsen) gehörten. Diese Dörfer lagen fast alle an dem Handelsweg von Rostock nach Wismar. Sie umfassten ein Gebiet, das von umfangreichen Grenzwäldern umgeben war.
Raducle leitet sich offensichtlich von dem Namen eines Dorfältesten ab. Übersetzt heißt Raducle soviel wie »der Ort des Frohen, der Bereiten«.

1177 (1. Februar) Erste urkundliche Erwähnung von Raducle (Reddelich)
Berno, Bischof von Mecklenburg, schenkte dem Kloster Doberan die Zehnten von dem Gebiete, mit welchem der Wendenfürst Pribislaw das Kloster ausgestattet hatte. Dem Abte verlieh er das Recht der freien Verfügung über die Kirchen innerhalb des Klostergebietes. Zu diesen geistlichen Rechten gehörten das Patronatsrecht über die Kirchen, die Einsetzung der Priester, das Recht der Taufe und des Begräbnisses [MUB122]. Damit wurde zu Beginn des 13. Jahrhunderts die mecklenburgische Kirchenorganisation geschaffen, die neben ihrer eigentlichen Tätigkeit auch Verwaltungsaufgaben übernahm. Die später erbaute Kirche in Steffenshagen, zu deren Kirchspiel Reddelich und Brodhagen auch heute noch gehören, war eine der Patronatskirchen der Abtei Doberan. Als Vertreter der Pfarrgemeinden wurden [MUB122]>Kirchenjuraten eingesetzt. Durch die Verbreitung des Christentums kam die Religion der Slawen zum Erliegen und ihre Assimilierung wurde entscheidend gefördert.
Mehr dazu (kommentierte Urkundenabschrift)

1179 (10. November) Wendenaufstand
Das Kloster in Althof wurde vernichtet und alle Mönche umgebracht.

1186 Neuansiedlung des Klosters in Doberan
Am 25. Juni 1186 war die Weihe des Klosters.

1189 (8. April) In einer Urkunde vom Fürsten Nicolaus wurde dem Kloster bescheinigt:

…dass kein Graf, kein Vogt oder eine andere weltliche Gewalt sich irgend welches Rechts über die Güter, Sachen oder Leute des Klosters ohne Genehmigung des Abtes anmaßen solle; ihm allein sollte im ganzen Gebiet die ausschließliche Verwaltung und Gerichtsbarkeit oder die Bestellung der Beamten zur Verwaltung und zum Gericht zustehen. Die Leute, die die Ländereien der Brüderschaft bebauten und unter ihnen auf ihren Dörfern wohnten, sollen vom Burgen- und Brückenbau und von anderen allgemeinen Diensten beständig frei sein, um desto besser der Brüderschaft dienen zu können [MUB 147].

Damit war die Grundherrschaft des Doberaner Klosters über die o. g. Klosterdörfer besiegelt. Die Bauern befanden sich nun in feudaler Abhängigkeit von dem geistlichen Grundherrn. Ihm gehörte Grund und Boden. Die Abgaben und Dienste der Bauern bestimmten die Wirtschaftskraft des Klosters und gestatteten neben den Leistungen der Mönche und Laienbrüder den Bau des großartigen Doberaner Münsters. Gericht hielt der Klostervogt unter freiem Himmel auf dem Brusower Gebiet.

1192 Borwin, Fürst von Mecklenburg, bestätigte und vermehrte die Güter und Rechte der Abtei Doberan.
Der Name Raducle änderte sich in der Urkunde in Radecle.

13. und 14. Jahrhundert
Neben den aufkommenden Städten und den bestehenden geistlichen Einrichtungen kam der Stand des ländlichen weltlichen Adels auf. Die Ritter und Knappen waren deutscher und auch slawischer Herkunft. Die Herzöge waren in der Zukunft auf den Adel in militärischem, finanziellem und verwaltungsmäßigem Gebiet angewiesen.

1209 (25. November) Rom, Papst Innocentius III. nahm das Zisterzienserkloster Doberan in seinen Schutz und bestimmte dessen Rechte und Freiheiten.
Der Name Raducle änderte sich in den Urkunden in Radeclhe.

1218 Heinrich Borwin, Fürst der Mecklenburger, bestätigte dem Kloster Doberan dessen Güter.
Der Name Radeclhe änderte sich in den Urkunden wieder in Radecle.

1219 Heinrich II. Borwin, Fürst von Rostock, und sein Bruder Nicolaus, Fürst von Mecklenburg, bestätigten dem Kloster Doberan Besitz und Rechte.

1227 Schlacht bei Bornhöved
Die Herrschaft des dänischen Königtums über Mecklenburg wurde beseitigt. Diese Herrschaft war nach der Niederlage Heinrichs des Löwen gegen Friedrich Barbarossa um das Jahr 1180 entstanden.

1229 Erste mecklenburgische Hauptlandesteilung
Aufteilung des Landes unter den vier Enkeln Heinrich Borwins I. in die Herrschaften Mecklenburg, Rostock (erlischt 1314), Werle (erlischt 1436) und Parchim (bis 1256). Neben diesen Herrschaften bestanden noch die Grafschaft Ratzeburg, Schwerin und Dannenberg sowie die Bistümer Ratzeburg und Schwerin.
Die slawische Sprache starb bis Mitte des 15. Jahrhunderts aus. Es bildeten sich die Familiennamen.
Heinrich Borwin III. erhielt die Herrschaft Rostock, die westlich von Kröpelin bis östlich an die Recknitz reichte.

1230 Brunwald, Bischof von Schwerin, bestätigte dem Kloster Doberan die von Bischof Berno verliehenen Zehnten und geistlichen Rechte.
Der Name Radecle änderte sich in der Urkunde in Radechle.

1231 Johann und Pribislaw, Fürsten von Mecklenburg, und ihre Brüder Nicolaus und Heinrich, Fürsten von Rostock, bestätigten dem Kloster Doberan alle ihre Besitzungen, Rechte und Freiheiten.
Der Name Raducle änderte sich in den Urkunden in Radecle.

1232 Der Name Radecle änderte sich in der Urkunde in Radekle.

1232 (12. Oktober) Weihe der romanischen Kirche Doberan durch Bischof Brunward von Schwerin

1291 Brand eines Klostergebäudes und der Kirche in Doberan durch Blitzschlag

1309 Hungersnot wegen Missernte

1311 (19. März) Erste urkundliche Erwähnung von Brothaghen (Brodhagen)
Johann, Fürst von Werle, nahm das Kloster Doberan mit dessen Gütern in seinen Schutz und bestätigte demselben die von seinen Vorfahren gemachten Schenkungen in seiner Herrschaft. Diese Zusicherung wurde in Brothaghen (Brodhagen) ausgeführt und gegeben.

1312 Schadensregister nach Überfall Rostocks auf die Besitzungen des Doberaner Klosters
Die Rostocker fügten im Jahr 1312 den Gütern des Klosters Doberan erhebliche Kriegsschäden zu. Eine Schadensliste [MUB 3520] gibt uns Aufschluss über die Besitzungen der Doberaner Klosters sowie über die Agrar- und Lebensverhältnisse in den Klosterdörfern.
Das Doberaner Kloster hatte 6 Grangien, wie Rethwich, Satow, Althof, zwei in Bollhagen und in Alt Farpen und 132 Bauernhöfe.
Von den Kriegsschäden waren in Brodhagen vier Bauernhöfe betroffen und zwar die von Cruse, Christianus, Johannes Ratlef und Cxacto. Ein Klostergut gab es in Brodhagen offensichtlich noch nicht.
In Radecle (Reddelich) lebten 22 Familien, darunter zwei Wagenbauer, ein Krämer und ein Müller. Sie wurden genannt: Henrico der Müller, Henrico Wolderi, Nycolaa Sanne, Alheydi Hoppen, Henrico der Wagenbauer, Wernero der Krämer, Heydenrico, Gherrardo Kroghere, Godescalco, Thiderico Wlpi, Bertoldo, Johanni der Westfale, Henrico Sauneke, Ludolfo der Sachse, Alberto aus Horst, Hermann aus Bollhagen, Radolfo, Halbeker, Hermanno der Wagenbauer und Reynekoni. An Vieh wurden hier u. a. 111 Schafe, 41 Kühe bzw. Kälber, 23 Schweine und 9 Pferde geraubt. Dem Müller wurden die Sauna, Haushaltsgegenstände und Instrumente in der Mühle zerstört. Dem Krämer wurden Kleidungsstücke und Stoffe (Leinen) entwendet.

1336 (20. Juli) Margarethe Gensicke wurde als Hexe verurteilt und auf dem Scheiterhaufen verbrannt.
Margarete Gensicke stammte aus Hohenfelde. Sie wurde am 20. Juli 1336 in Kröpelin vor Gericht gestellt und als Hexe auf dem Scheiterhaufen verbrannt (1. Hexenverbrennung in Mecklenburg).

1348 Mecklenburg wurde unter dem Kaiser Karl IV. erbliches, unmittelbares Reichslehen.
Die Landesherren wurden reichsunmittelbare Herzöge.

1348 – 1352 Die Pest herrschte in Mecklenburg und in ganz Europa.
Die Zahl der Bevölkerung ging nach dem Jahr 1350 durch die Pest merklich zurück. Der dritte Teil der Bevölkerung wurde in Mecklenburg dahingerafft. Es entstanden viele Wüstungen.

1363 erlangte der mecklenburgische Herzog die schwedische Krone.

1368 (04. Juni) Weihe des neuen Münsters nach sechzigjähriger Bauzeit
Das Doberaner Kloster war wegen der Hostie Heiliges Blut bedeutender Wallfahrtsort. Dieses großartige Bauwerk wurde vor allem durch die Einkünfte des Klosters aus dem umfänglichen Grundbesitz – wozu auch Reddelich und Brodhagen gehörten – möglich.

1471 fortan trugen die mecklenburgischen Herzöge folgende Titel:
Herzog von Mecklenburg, Fürst von Wenden, Graf von Schwerin, Herr der Lande Rostock und Stargard.

1486 Der «Hexenhammer« erschien in Speyer.
Der Hexenhammer wurde von Kaiser Maximilian I. und Papst Innocenz VIII. als Strafgesetzbuch gegen die Hexerei herausgegeben.

1489 Beginn der Zentralisierung der Finanzverwaltung in Mecklenburg
Die Finanzverwaltung in Mecklenburg wurde an einen Rentmeister übergeben (1493). Die bisherige Verwaltung wurde in eine Behördenorganisation umgewandelt. Ausgebildete Kanzleibeamte mussten gegenüber dem Herzog Rechenschaft ablegen. Die Kanzlei wurde als eine zentrale Verwaltungsbehörde den Vogteien übergeordnet.

1495 Wormser Reichstag
Das Reichskammergericht wurde geschaffen und durch Reichssteuern finanziert. Der Ewige Landfrieden wurde verkündet und das Faustrecht abgeschafft.

1496 Mecklenburgische Kaiserbederegister
Das Landeshauptarchiv Schwerin verwahrte Steuerlisten und –register des 15. bis 19. Jahrhunderts.

1500 hat Mecklenburg schätzungsweise 130.000 Einwohner.
Das Leben der Landbevölkerung verschlechterte sich zunehmend. Wir haben zwar keine konkreten Angaben darüber, wie sich die Situation in Reddelich und Brodhagen darstellte, können aber davon ausgehen, dass sinkende Getreidepreise, große Seuchen und Übergriffe von Raubrittern nicht ohne Auswirkungen waren. Manche Bauernwirtschaften, ja ganze Orte wurden wüst. Darunter hatte das Kloster Doberan sehr zu leiden. Es hatte seinen wirtschaftlichen Höhepunkt überschritten.

1516 (10. Dezember) Erste Mecklenburgische Polizeiordnung als Landesgesetz
Mit Hilfe der Mecklenburgischen Polizeiordnung wurden die Zentralisierungsbestrebungen und somit die Landeshoheit durch die Herzöge gestärkt. Geregelt wurden die Handelsbeziehungen zwischen Bürgern und Bauern. Die Gerichtsbarkeit der Geistlichkeit wurde zurückgedrängt. Vorschriften über den Häuserbau und zur Bekämpfung von Feuer wurden erlassen.

1521 Türkensteuer
Zur Finanzierung der Abwehr der Türken, die im Jahr 1453 Konstantinopel einnahmen und im 16. und 17. Jarhundert die Herrscher in Europa bedrohten, bat der Kaiser um eine Steuer. Die Wormser Reichsmatrikel von 1521 besagte, dass die Herzöge Heinrich und Albrecht von Meckelnburg jährlich 360 Gulden aufbringen mussten, die auf die Bevölkerung umgelegt wurden. Weiterhin waren 40 Mann zu Ross und 67 zu Fuß zu stellen. Die entsprechenden Steuerlisten geben uns Aufschluss über Einwohnerzahlen in den Gemeinden.

1523 Bildung der Union der Landstände
Sie war ein Zusammenschluss der hohen Geistlichkeit, des Adels und der Städte gegen die Teilungsabsichten von Herzog Albrecht. Diese Union stellte eine Machtdemonstration der Stände, besonders der 170 Adelsgeschlechter, gegenüber den Landesherren dar. Hiermit begann die Schaffung einer landständischen Verfassung in Mecklenburg.

1524 – 1526 Bauernkriege

1532 Türkensteuer
Herzöge von Meckelnburg mussten ein Truppenkontingent von 40 Mann zu Ross und 120 Mann zu Fuß stellen.

1532 Der Reichstag ratifiziert das erste allgemeine Strafgesetzbuch.
Die Peinliche Halsgerichtsordnung sah die Geständniserzwingung durch die Folter vor.

1549 Mecklenburgischer Landtag in Sternberg beschloss die Verbindlichkeit des evangelischen Glaubens für alle Mecklenburger.
Eine Landeskirche auf evangelischer Basis, die unter der Leitung der Herzöge stand, wurde geschaffen. Diese bestand bis 1918, als Kirche und Staat getrennt wurden. Die Landstände (Ritterschaft und Landschaft, d. h. die Städte) erhielten das Recht der Steuerbewilligung und beteiligten sich an der Gesetzgebung und der Rechtssprechung. Es erfolgte eine regionale Gliederung der Stände in Kreisen: Mecklenburgischer (Parchim), Wendischer (Güstrow) und Stargardischer (Neubrandenburg) Kreis. Das Bauernlegen begann. Freie Bauern wurden zu Leibeigenen, zu Knechten und Tagelöhnern. Ohne Erlaubnis durften sie das Gut nicht verlassen, nicht heiraten und keinen Beruf frei wählen.

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Kapitel 3: Von der Gründung des Domanialamtes Doberan 1552 bis zur Aufhebung der Leibeigenschaft in Mecklenburg 1821

1552 (7. März) Säkularisation des Doberaner Klosters und Gründung des Domanialamtes Doberan
Der Klosterbesitz von Doberan wurde in das herrschaftliche Domanium einverleibt. In Doberan wurde ein herzogliches Amt eingerichtet. Der herzogliche Hauptmann Jürgen Rathenow war der erste Verwalteter des ehemaligen Klosterbesitzes. Dazu gehörten auch die Dörfer Reddelich und Brodhagen. Damit erfolgte ein Wechsel der Grundherrschaft: von der geistlichen in die weltlich herrschaftlichen. Ein herzoglicher Küchenmeister mit Beamten und von ihnen eingesetzte Dorfschulzen bestimmten über das Leben der Bewohner in den Dörfern, über die zu leistenden Abgaben und Dienste. Als Vertreter der Landesherren übte der Küchenmeister auch die Gerichtsbarkeit aus.

1555 Augsburger Religionsfrieden zwischen Katholiken und Protestanten

1572 Die Mecklenburgische «Polizei- und Landordnung» wurde erlassen.
Die Polizei- und Landordnung enthielt Ausführungen über Dienstboten, Gesinde, Reisigknechte, Arbeiter und Tagelöhner. Es wurde festgelegt, dass Personen, die durch Wahrsagung und Zauberei anderen Schaden zufügten, durch das Feuer bestraft werden sollten (Hexenverbrennung). Unliebsame Menschen wurden häufig als Hexen und Zauberer angeklagt und erlitten den Tod. Diese Hexenverfolgung wurde sehr oft durch Gutachten der juristischen Fakultäten der Universitäten Rostock und Greifswald abgesegnet.

1611 Entdeckung des Kalkvorkommens in Brodhagen und Errichtung einer Kalbrennerei
Mehr dazu (RADUCLE Artikel)

1618 – 1648 Dreißigjähriger Krieg
Durch den Dreißigjährigen Krieg wurden große Zerstörungen und hohe Menschenopfer in Mecklenburg verzeichnet. Die Reddelicher Bauern hatten durch die Truppendurchzüge, Einquartierungen und Abgaben besonders zu leiden, da das Dorf an der Heerstraße zwischen Rostock und Wismar lag.

1621 Die mecklenburgischen Reversalen wurden erlassen.
Diese erlaubten es, dass die Bauernstellen durch den Gutsherren gekündigt werden konnten, wenn die Bauern ihren Besitz nicht urkundlich nachweisen konnten.

1621 Zweite mecklenburgische Hauptlandesteilung
Die Herzogtümer Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg Güstrow (bis 1695) entstanden. Ein gemeinsamer Landtag wurde abwechselnd in Sternberg und Malchin durchgeführt.
Nach langwierigen Verhandlungen zwischen den Herzögen und den Landständen stimmten letztere der Landesteilung zu. Sie übernahmen die Zahlung von einer Million Gulden zur Tilgung der landesherrschaftlichen Schulden. Diese Schuldentilgung erfolgte nicht aus ihren privaten Mitteln, sondern durch eine von ihnen bewilligte allgemeine Steuer. Das belastete natürlich auch die Bewohner von Reddelich und Brodhagen. Bestätigt wurde die weitere Steuerfreiheit für die ritterschaftlichen Güter. Anerkannt wurden nur die gewöhnliche Landbede und die Fräuleinsteuer (Steuer zur Finanzierung der Mitgift der Prinzessinnen). Der so genannte Engere Ausschuss aus der Ritter- und Landschaft wurde gebildet. Er kümmerte sich um die Tilgung der Schulden der Landesherren. Darüber hinaus wurde er zu einer Art Nebenregierung, die verstärkt Einfluss auf die gesamte Politik im Lande nahm.

1627 – 1631 Wallensteins Truppen eroberten Mecklenburg.
Mecklenburg wurde durch Truppen von Wallenstein besetzt. Im Januar 1628 belehnte der Kaiser Wallenstein mit Mecklenburg als Entschädigung für die entstandenen Kriegskosten. Güstrow wurde seine Residenzstadt.

1631 König Gustav II. Adolf von Schweden rückte in Mecklenburg ein.
Vertriebene mecklenburgische Herzöge wurden wieder eingesetzt.

1637 (5. Oktober) Einfall der kaiserlichen Truppen in das Amt Doberan

1645 Verabschiedung der Gesindeordnung in Mecklenburg

1648 Ende des Dreißigjährigen Krieges
Die Bevölkerung von Mecklenburg wurde durch den dreißigjährigen Krieg von 300.000 auf 50.000 dezimiert. Die Bauernstellen waren danach nur zu einem Viertel besetzt. Diese wüsten Hufen schlugen die Ritter zu ihren Gütern dazu. Weiterhin vergrößerten sie ihre Eigenwirtschaften indem sie die Bauern legten. Auch in den späteren Jahre, besonders 1755 und 1806 legten die Adligen Bauerndörfer nieder und schufen Güter. Die Bauern im Domanium wurden Hauswirte genannt, weil sie vom Herzog gepachtetes Land bewirtschaften. Durch Zwangsmaßnahmen wurden hier wüste Bauernstellen durch fähige und gesunde Untertanen besetzt, so auch in Reddelich und Brodhagen. Anderseits wurde den bestehenden Bauernwirtschaften Hufen zugeteilt für die das so genannte wüste Hufengeld entrichtet werden musste. Während des Krieges und danach hatten besonders die Frauen durch Vergewaltigungen durch die Krieger zu leiden. Nach dem Großen Krieg wurden kleinere kriegerische Auseinandersetzung und Raubzüge von der umherziehenden Soldateska und heimatlosen, verwahrlosten und hungernden Menschen durchgeführt.
Anmerkung: Beim sogenannten Bauernlegen wurden Anfangs aufgegebene Bauernstellen zusammengelegt, und fortan als Güter bewirtschaftet. Dieses, an sich positiv zu wertende Prozedere, wurde bald von Teilen der Ritterschaft schamlos zur eigenen Bereicherung ausgenutzt. Bauernfamilien, die den Dreißigjährigen Krieg überlebt hatten, wurden durch – wie man heute sagt – Mobbing zur Aufgabe ihrer Höfe gezwungen, die sich sich die Ritterschaft anschließend aneigneten. Heute wird dieser negative Aspekt gerne in den Vordergrund der Geschichtsschreibung gerückt. [UL/2011]

1653 Hexenprozess in Reddelich
Tine Klöcking wurde in Reddelich als Hexe verurteilt und auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

1654 (14. November) Gesindeordnung mit Verankerung der Leibeigenschaft
Die verkündete Gesinde – Tagelöhner – Baur – Schäfer – Tax- und Victualordnung regelte die schlimmste Form der bäuerlichen Unterdrückung. Die Leibeigenschaft und die Erbuntertänigkeit wurden damit gesetzlich festgelegt.
Im § 1 der Gesindeordnung heißt es:
»Nachdem die tägliche Erfahrung bezeugt, dass die Bauersleute und Untertanen, Mannes und Weibes Personen, … dieser unserer Lande und Fürstentümer kundbaren Gebrauch nach mit Knecht- und Leibeigenschaft samt ihren Weib und Kindern verwandt und daher ihrer Personen selbst nicht mächtig … sollen sich ohne ihrer Herren Bewilligung ihnen zu entziehen und zu verloben nicht befüget sein.«
Unter dem Titel III, § 6 der Gesindeordnung heißt es, dass »herrenlos Gesinde und ledige Knechte und Mägde aus Mutwillen anderen Leuten … dienen bei (ihnen) einliegen und auf ihre Hand … leben. … So sollen (sie) … , so (sie) gesund seien und dienen können, zur Arbeit und zum Dienst angetrieben werden.«
Nicht nur auf den Gütern der Ritter sondern auch im Domanium wurden die Bauern verpflichtet, auf den herrschaftlichen Meierhöfen Hofdienste und Extradienste zu leisten. Zu letzteren gehörten die Kornfuhren in weit entlegene Städte. In den Ämtern regelte eine Dienstordnung die Zahl der Arbeitstage, die tägliche Arbeitszeit und die Beköstigung der dienenden Untertanen. Im Domanialamt Doberan galten im Jahr 1655 drei Spann- und zwei Handtage in der Woche. In den Urkunden dieser Zeit werden die Leibeigenen zumeist als Untertanen bezeichnet.

1658 Schwedisch–Polnischer Krieg
Die kriegerische Belastung durch den Schwedisch-Polnischen Krieg war wie im Dreißigjährigen Krieg sehr hoch. Der Zug der Truppen des Königs Karl von Schweden und der Streitmacht des polnischen Königs nach Holstein brachte Reddelich ohne Zweifel unerhörte hohe Belastungen. Die gegen Schweden verbündeten Kaiserlichen, Brandenburger und Polen marschierten mit 30.000 Soldaten in Mecklenburg ein. Bis zum Frieden von Oliva im Jahr 1660 wütete die Soldateska im Lande.

1670 (23. Oktober) Der Herzog Christian Ludwig erließ eine Vorschrift »wegen der Fuhren und Handdienste«.
In der Vorschrift wurde festgelegt, dass die Grundherren von den Bauern bei 10 Reichstalern Strafe nur absolut notwendige Dienste fordern durften. In der Ernte und während der Feldbestellung (Saat) sollte der Bauer von Fuhren und Handdiensten verschont bleiben. Er durfte aber angewiesene Dienste nicht verweigern.

1674 – 1675 Brandenburgisch–Schwedischer Krieg
Truppendurchzüge führten erneut zu großen Kriegsbelastungen. Nach der Schlacht bei Fehrbellin im Jahr 1675 wurde der Kriegsschauplatz nach Mecklenburg verlagert.

1688 Edikt gegen die Hexenprozesse
Das Verbot von Hexenprozessen durch Herzog Christian Ludwig wurde nicht überall befolgt. Trina Schlorff, geborene Tielemanns, ist die letzte Hexe in Mecklenburg, die am 28. April 1697 in Hastorf auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde. Margarete Gensicke aus Hohenfelde war am 20. Juli 1336 das erste Opfer.

1700 – 1721 Nordischer Krieg
In Jahre 1701 lebten in Mecklenburg-Schwerin 100.000 Einwohner, in Mecklenburg–Strelitz 30.000 Einwohner.
Im Nordischen Krieg kämpften auf mecklenburgischem Territorium Schweden gegen Preußen, Dänen, Sachsen und Russen. Plünderungen durch Kriegsparteien waren an der Tagesordnung.

1701 (3. März) Dritte Hauptlandesteilung durch Hamburger Vergleich
Die Landesteilung erfolgte in Mecklenburg–Schwerin und Mecklenburg–Strelitz (mit Herrschaft Stargard und Fürstentum Ratzeburg, das vormalige Bistum Ratzeburg). Für beide Herzogtümer gab es gemeinsame Gerichte, Landtage und die Union der Landstände.

1702 (1. Juli) Schulzen- und Bauernordnung im Domanium
Die Schulzen- und Bauernordnung schrieb Regeln für das Zusammenleben und Wirtschaften in den Dörfern vor. So regelte die Ordnung das Verhalten bei Feierlichkeiten, die Feldbestellung, die Viehhaltung, die Gartenbestellung, den Hausbau, die Vermeidung von Feuergefahr und gab allgemeine Verhaltensweisen vor. Die Schulzen wurden vom Amt eingesetzt und hatten über die Hauswirte des Dorfes, über die Schulmeister und Mühlen Aufsicht zu führen. Sie sollten darauf achten, dass die Bauern nicht fluchen, Gott lästern, Ehebruch und Hurerei treiben. Die Schulzen hatten über Abgaben der Bauern Buch zu führen. Die Bauern mussten regelmäßig zu Hofe gehen und die Dienstordnung einhalten, Spann- und Handdienste auf den Pachthöfen leisten bzw. den Kornzehnten an die Pächter zahlen.

1704 Beichtkinderverzeichnis von Dorf Reddelig (Reddelich)
Das Beichtkinderverzeichnis aus dem Jahr 1704 wurde von Pastor Stephanus Sehuse aus Stephanshagen (Steffenshagen) verfasst und bestätigt u. a. durch den Kirchejuraten (Kirchenvorstandsmitglied) Hans Bade (70) aus Reddelig.
Reddelig hatte 81 Einwohner, davon 26 Kinder, 6 Bauern (davon 1 Dorfschulzen), 3 Cossaten, 1 Ehepaar im Altenteil, 2 Weber, 1 Drescher (drischt Getreide aus), 1 Hirten, 5 Knechte, 4 Mägde, 1 Jungen (Knechtsanwärter ab dem 14. Lebensjahr), 1 Arbeitsmann, 1 Einliegerin und 1 Bettlerin. Eine Person ist miserabel.
Folgende auftretende Namen sind für uns besonders interessant: Bade, Saß, Frame, Ficke, Bulle, Mahn, Rewolt, Schomacher, Westfahl, Trede und Junge.

1704 Beichtkinderverzeichnis von Dorf Brodhagen
Brodhagen hatte im Jahr 1704 94 Einwohner, davon 35 Kinder, 7 Bauern (davon ein Schulze), 4 Cossaten, 4 Knechte, 2 Jungen, 2 Mägde, 1 Tischler, 1 Drescher und 4 Einlieger.
Folgende Namen tauchen u. a. auf: Schumacher, Markwart, Mahn, Reineke, Pentzien, Voß, Westendorf und Saß.

1704 Die mecklenburgische Hofdienstordnung
Die Hofdienstordnung regelte zum ersten Mal die Dienste der herzoglichen Bauern einheitlich. In der Hofdienstordnung heißt es:
»…Kornfuhren, Fuhren zum Bau auf dem Hof, Saatkornfuhren auf die Äcker, Eggen, Säen, Mist ausbringen, Mähen, Wolle scheren und Flachs schwingen. Die Frauen müssen [...] Hede spinnen. Außerdem wird im Winter Brennholz [...] geschlagen.«
Nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges hatte der Umfang der Frondienste stark zugenommen und belastete die Bauern immer stärker, so dass sie oft ihre eigene Wirtschaft vernachlässigen mussten.

1711 Ausdehnung des Nordischen Krieges auf Mecklenburg
Der Krieg wütete in Mecklenburg. Viele Mecklenburger wurden in die preußische Armee verschleppt, was zu einer großen ständigen Plage nicht nur in Kriegs- sondern auch in Friedenszeiten wurde. Neben diesen gewaltsamen Soldatenwerbungen waren das Eintreiben von Geld- und Naturallieferungen und Plünderungen an der Tagesordnung. Darüber hinaus mussten Pferde gestellt werden, die den Bauern dann für die Arbeit fehlten. Viele Frauen wurden vergewaltigt. Davon zeugen Eintragungen im Kirchenbuch von Steffenshagen. So wird Maria am 24. Januar 1714 geboren. Der Pastor schrieb: »Ein Dragoner hat diese Person überwältigt.« Gemeint ist die Mutter. Eine andere Eintragung lautet: »Elise Utesch ist in Hundehagen von einem Dragoner überwältigt.« Genannt wurden oft Hannoversche Dragoner als Vergewaltiger. Von diesen Kriegswirren war Reddelich infolge von Durchzügen der Truppen der kriegführenden Mächte offensichtlich besonders in Mitleidenschaft gezogen.

1725 (12.April) Beschwerde des Schulzen Bull von Reddelich
Der Schulze Bull beschwerte sich über den von dem Pächter zu Vorderbollhagen geforderten Kornzehnten. Der Pensionär Güningen sollte bis an sein Lebensende von jedem Bauern jährlich fünf Taler erhalten.

1746 Schreiben des Pensionärs Hagemeister von Vorderbollhagen an den Amtmann
Der Pächter Hagemeister von Vorderbollhagen beschwerte sich über Joachim Bull zu Reddelich, seinen Dienstbauern, über nicht geleistete Dienste.

1746 Dienste der Reddelicher Bauern für die Pachtgüter Vorderbollhagen, Jennewitz und Brusow
Clas Frahm musst auf dem Pachtgut Brusow Spann- und Handdienste leisten. Da er diese nicht ausgeführt hatte, musste er für einen Spanntag 16 Schillinge und für einen Handtag acht Schillinge zahlen, insgesamt 33 Taler und 16 Schillinge.

Mitte des 18. Jahrhunderts
wurde die Dreifelderwirtschat (Wechsel von Wintergetreide, Sommergetreide und Brache) durch die neue Wirtschaftsform der holsteinschen Koppelwirtschaft abgelöst.
Diese wurde zur mecklenburgischen Schlagwirtschaft weiterentwickelt. In der Regel wurde mit sieben Schlägen gewirtschaftet. Der Getreideanbau wurde dadurch erhöht. Bisher betrug der Kornertrag das 4- bis 6-fache der Aussaat, nach Einführung der Schlagwirtschaft das 8- bis 16-fache. Der Anbau von Kartoffeln, der anfangs als Gemüse erfolgte, wurde um 1740 eingeführt. Dadurch konnten Hungersnöte reduziert werden.

1750 Regulierung der Feldmark von Reddelich
Um das Hofland von Vorderbollhagen abzurunden, wurden den Bauern von Reddelich 1778 Quadratruten Brodhäger Wiesen genommen und dem Hofe Vorderbollhagen zugelegt.

1751 Beichtkinderverzeichnis von Redlich (Reddelich)
In Redlich wohnten im Jahr 1751 7 Hauswirte: Schulze Hans Bull, Jochen Bull sen. und jun., Joachim Schwark, Clas Frahm, Jochim Baden, Hans Bull.
Das Dorf zählte 68 erwachsene Einwohner (Personen nach der Konfirmation), davon 10 Knechte, 8 Jungen, 6 Mägde, ein Schneider, ein Drescher, 2 Weber, ein Hirte und ein Tagelöhner.

1751 Beichtkinderverzeichnis von Brodhagen
In Brodhagen lebten im Jahr 1751 54 Erwachsene, 7 Bauern (davon ein Schulze), ein Zimmermann, 3 Drescher, 2 Personen im Hirtenkaten und ein alter Schäfer.
Folgende Namen waren u. a. aufgeführt: Schultz, Westendorf, Vick, Mahn, Pentzien (2x) und Reinick.

1751 Der Kossate Jochim Levetzow aus Brodhagen verstarb.
Interessant ist, dass J. Levetzow als Inventar zwei Ochsen, einen Stier, einen Stier von 2 Jahren, ein Kalb, vier Schafe, ein Schwein und einen Wagen hinterließ.
Mehr dazu (untranskribierter Brief)

1752 Verzeichnis der Kontribution und sonstige Abgaben des Dorfes Reddelich
Angegeben waren 7 Bauern und 3 Kossaten. Für das Dorf wurde eine Gesamtsumme genannt, die durch die 10 Bauern aufgebracht werden musste.

1753 (14. März) Patent zur Neuansiedlung von Büdnereien
Das Ansiedlungsedikt des Herzogs Christian Ludwig regelte die Einrichtung von Büdnereien im Domanium, um die Menschen an Haus und Scholle zu binden und der Auswanderung entgegenzuwirken.

1755 (18. April) Landesgrundgesetzlicher Erbvergleich mit 25 Artikeln und 530 Paragraphen, das ständische Grundgesetz Mecklenburgs
Das Grundgesetz des Landes war ein Vergleich zwischen den herrschenden Herzögen und den Ständen, den etwa 600 Rittergutsbesitzern und den 42 Städten. Die Einteilung Mecklenburgs erfolgte in das herrschaftliche Domanium,(etwa 45 % des Landes), des Territoriums der Ritterschaft (auch 45%) und der Städte (10 %). Jährlich fanden Landtage der Ritter und der Vertreter der Städte im Wechsel in Sternberg und Malchin statt. Die Regierungsarbeit im Land wurde durch die Herzöge, aus den Einkünften aus dem Domanium und aus einer ordentlichen Steuer finanziert. Auf dem Lande wurden letztere nach Hufe und Bodenqualität berechnet. Dazu wurde in einer aufwändigen 20-jährigen Arbeit das Land vermessen. Außerordentliche Steuern mussten vom Landtag beschlossen werden. Daneben gab es noch Reichssteuern.
Die Leibeigenschaft wurde durch den Landesgrundgesetzlichen Erbvergleich erneut verankert. Das Bauernlegen wurde legalisiert. In Mecklenburg lebten etwa 150.000 Einwohner.

1756 Beschwerde der 8 Hauswirte von Reddelich
Die Hauswirte von Reddelich beschwerten sich unter Führung des Dorfschulzen Hans Bull über die Abgaben an den Pensionär Hagemeister von Vorderbollhagen. Beim Amt zu Doberan wurde die Beschwerde der 8 Hauswirte von Reddelich protokolliert. In der Beschwerde heißt es, dass die Reddelicher zu Grunde gehen würden, wenn sie die hohen Abgaben leisten müssten. Folgende Namen konnten entziffert werden: Dorfschulze Hans Bull, Jochim Schwark, Jochim Bull, Jochim Mahn(?), Clas Frahm, Hans Hinrich Ficke, Hans Bull und Jochen Matthiess. Das Protokoll wurde mit einem Anschreiben und einer Stellungnahme der Doberaner Beamten an den Herzog übersandt. Aus dieser Stellungnahme geht hervor, dass es rechtens wäre, dass die Bauern und der Weber von Reddelich für die auf dem Pachthof Vorderbollhagen zu leistenden Dienste und als Kontribution Abgaben in Geld zu leisten haben. Auch die Abtretung von 1.788 Quadratruten Wiesen an Vorderbollhagen sei rechtens. Dieses sei im Dezember 1750 in einer Regulierungsakte festgelegt worden.

1756 – 1763 Siebenjähriger Krieg
Preußen kämpfte im Siebenjährigen Krieg gegen eine Koalition von Österreich, Russland, Frankreich und Schweden.
Mecklenburg–Schwerin wurde mehrmalig durch Preußen besetzt. Geld- und Naturallieferungen wurden von den Einwohnern eingetrieben. 4000 Soldaten wurden durch Zwang rekrutiert. Plünderungen waren an der Tagesordnung. Die Schäden für das Land werden mit 15 Millionen Talern angegeben. Das Wort Preußen wird dadurch zum Schimpfwort in Mecklenburg.

1760 Der aus dem Amte Doberan »heimlich und sträflich entwichene Christian Bull« aus Reddelich hält sich mit Frau und Kindern in Hamburg auf.
Von seinem Bruder Claus Bull, der in Kopenhagen verstorben ist, hat er eine Erbschaft von 49 Talern und 4 Mark zu erwarten. Das Geld will das Amt Doberan haben, da Claus Bull auch Untertan des Amtes war.

1765 (18. September) Schreiben an den Amthauptmann Holsten zu Doberan
Die Hauswirte von Reddelich und Steffenshagen beschwerten sich über die harte Behandlung durch den Amtmann Hagemeister zu Vorderbollhagen.

1767 (21. Mai) Brief des Klosteramtes Ribnitz an den Amtshauptmann Holsten zu Doberan:
»…die leibeigene Trien Schwarck, Tochter des Hauswirtes Schwarck, aus Reddelich, loszulassen gegen einen landesüblichen Revers, damit sie mit dem Untertanen des Klosteramtes, Ruwold, vermählt werden kann. Beide sollen Untertanen des Klosteramtes sein und bleiben.«

1768 Herzog Friedrich ordnete an, Listen der Leibeigenen in den Ämtern anzufertigen.
Aus diesen sollen die Bauernstellen und die zugehörigen Untertanen/Leibeigenen hervorgehen.
Das Amt Doberan erlässt eine Anzeige, dass sich entlaufene Leibeigene melden sollen. Die neuen Brodherren sollen diese auffordern, in den Amtsbezirk zurückzukehren.

1769 Die Witwe Grete Langen zu Reddelich bat um Befreiung von den Hofdiensten.

1769 Verbot der Folter in Mecklenburg

1769 Lehrer Bahlmann unterrichtet an der Schule in Reddelich (bis 1795).
Die Lehrerwitwe Bahlman erhielt ab 1795 eine jährliche Unterstützung von 12 Talern und zwei Fuhren Abfallholz.

1771 Herzogliche Schulordnung mit Schulpflicht
Für die Schulen im Domanium erließ Herzog Friedrich ein Herzoglich Mecklenburgisches Reglement für sämtliche Schulen auf dem Lande.
Mehr dazu (RADUCLE-Artikel über Dorfschulen)

1774 bis 1795 Johann Lange war Lehrer an der Schule in Brodhagen.

1778 (6. März) Einstellung der ersten Büdneransetzung
Die wirtschaftliche und soziale Absicherung der Büdnerstellen schien nicht gesichert.

1786 Stiftung des Landesschulmeisterseminarium in Ludwigslust
Für das herzogliche Domanium wurde ein Landesschulmeisterseminar gegründet. Es gab dort 15 Seminaristen.

1789 – 1803 Französische Revolution
Durch eine erhöhte Nachfrage in Frankreich – bedingt durch Missernten und die Koalitionskriege – wurden von den Landwirten und Kaufleuten Getreide, Fleisch, Butter und Kartoffeln mit hohen Gewinnen exportiert. Dadurch war die Versorgung der eigenen Bevölkerung gefährdet, was zu Unruhen – so genannten Butterrevolutionen – in den Städten führte. Der Herzog musste mit Ausfuhrverboten eingreifen.

Ende der 1780er Jahre begann eine grundlegende Veränderung in der Schafzucht in Mecklenburg.
Die ersten spanischen Merinoschafe wurden fortgepflanzt. Bei den Viehzählungen wurden diese Schafe als feine Schafe aufgeführt.

1790 Abschaffung der Frondienste im Domanium
In den Dörfern des Domaniums wurden die Frondienste abgeschafft und die Hand- und Spanndienste durch Zahlung von Dienstgeld ersetzt. Das führte zu einer Entlastung für die Bauernwirtschaften.

1795 Lehrer Johann Lange unterrichtet in Reddelich (bis 1810).

1790 Kontrakt der Hofdienste von Reddelich, Brodhagen und Steffenshagen
Mit dem Hofe Vorderbollhagen und den Meiereien Brodhagen und Steffenshagen dienenden Dorfschaften Reddelich, Brodhagen und Steffenshagen wurde ein Kontrakt abgeschlossen.

1790 Das Feldregister von der Meierei Brodhagen gibt eine Größe von 112.593 Quadratruten (ca. 238 ha) an.
Der Acker der Meierei war in sieben Schläge eingeteilt. Diese Einteilung wurde über lange Zeit beibehalten

1792 (18. Mai) Verbot der Auswanderung nach Amerika

1797 Herzogliche Anordnung zur Dacheindeckung mit Ziegeln
Wegen der Brandgefahr durch Funkenflug wurde verfügt, dass die Dächer nicht mehr mit Stroh oder Reet gedeckt werden durften, sondern nur noch mit Dachziegel.

1798 Herzogliche Anordnung an das Amt Doberan zur Forcierung der Branntkalkproduktion.
Für herzogliche Bauvorhaben in Doberan und Heiligendamm wurden große Mengen an Baumaterial benötigt.
Gottlieb Elsner, geb. 1761 in Satow, wurde zum Kalkbrenner bestellt.
Mehr dazu (Artikel)

Ende des 18. Jahrhunderts, Feldregister von dem Bauerndorfe Brodhagen:

  • Hauswirt Gustav Pentzien, Größe: 198 und 670 Quadratruten an Garten und Acker.
  • Schulze Jochim Bulle, Größe: 178 und 464 Quadratruten an Garten und Acker.
  • Hauswirt Claus Pentzien, Größe: 215 und 491 Quadratruten an Garten und Acker
  • Gemeinschaftlich werden von diesen drei Hauswirten 52.622 Quadratruten bewirtschaftet. Dieser Acker ist in fünf Schläge zu je 45 bzw. 42 Ackerstücke eingeteilt. Weiden und Wiesen werden gemeinschaftlich genutzt.
  • Zum Unbrauchbaren gehören die Wege von Brodhagen nach Steffenshagen, nach Stülow, zum Kellerswald, nach Reddelich, eine Landstraße von Kröpelin nach Doberan, die offensichtlich durch Brodhagen führte und die Dorfstraße.
  • Als Büdner werden Beuckmann, Pentzien und Wendelborn sowie der Schulmeister genannt, die jeweils 98 Quadratruten haben.

1800 Brief des Lehrers Lange an den Herzog
Der Lehrer Johann Lange wendete sich im Alter von 67 Jahren an den Herzog mit der Bitte, nach seinem Ableben seinem Schwiegersohn, dem Tischler Trede aus Vorderbollhagen, die Schulstelle in Reddelich zu geben, damit seine kränkliche Frau und sein minderjähriger Sohn versorgt werden. (Lehrer Johann Lange musste am Ende seiner Dienstzeit 77 Jahre alt gewesen sein.)
Mehr dazu (RADUCLE-Artikel über Dorfschulen.)

1802 Abschaffung der Prügelstrafe in Mecklenburg

1806 – 1815 Napoleonische Zeit und Befreiungskriege.
Mecklenburg war während der napoleonischen Ära häufig Kriegsschauplatz. Die französischen Truppen plünderten und zerstörten Häuser in den Dörfern und drangsalierten die Bevölkerung. Sie beschlagnahmten Pferde, Fuhrwerke, Vieh, Getreide und Lebensmittel. Es wurde erzählt, dass die Bauern von Reddelich und der Umgebung mit ihrem Vieh, vor allem mit den Pferden in der Kühlung Zuflucht nahmen, um sich dem Zugriff der Franzosen zu entziehen. Die Kontinentalsperre, die Blockade gegen England, verhinderte den Getreideexport und führte zum wirtschaftlichen Niedergang. Mecklenburg trat im Jahr 1808 dem napoleonischen Rheinbund bei. Für den Feldzug nach Russland mussten 2100 Mecklenburger in den Krieg ziehen. Nur 68 kehrten zurück. Im August 1813 wurden die Franzosen in einem Gefecht bei Retschow geschlagen. 12.000 Mecklenburger beteiligten sich aktiv am Befreiungskampf.

1810 Lehrer Friedrich Jürkvitz, geboren am 05. März 1771 in Hohenfelde, wirkte in Reddelich (bis 1819 bzw. 1845).
In einer Urkunde des Großherzogs vom 19. Mai 1845 wurde einem Lehrer Jürwitz zu Reddelich eine Pension von jährlich 80 Talern gewährt. Demnach war der Lehrer Jürwitz bis 1845 Schullehrer in Reddelich und war der erste Lehrer, der nicht bis zu seinem Ableben unterrichten musste, sondern vorher eine Pension bekam.
Mehr dazu (RADUCLE-Artikel über Dorfschulen.)

1813 Johanni (24. Juni) Der Kontrakt der kleinen Dorfschaft Brodhagen.
In Brodhagen mit seinen drei Hauswirten und einigen Büdnern war der Pachtvertrag 1813 zu Ende. Die Dorfschaft bekam nur eine Zeitverpachtung von 7 Jahren und keine Vererbpachtung. Begründet wurde dies wie folgt: »Die Ackerflächen liegen nicht nur auf dem Brodhäger sondern davon getrennt auch auf dem Doberaner Felde, und einige Wiesen befinden sich am Conventer See. Weiterhin sind die Hufe im Gemenge und nicht separiert.« Das bedeutet, der zusammenhängende Acker gehörte verschiedenen Besitzern. Der Boden in Brodhagen trug nur schlechte Ernten. Die Hauswirte waren nicht vermögend und mit ihren pflichtgemäßen Abgaben im Rückstand.

1814 Der Pachtvertrag für die Dorfschaft Brodhagen wurde verlängert.

1815 (06. Juni) Auswanderung in andere Staaten des Deutschen Bundes wurde gestattet.

1816 Der Pächter der Kalkbrennerei Brodhagen Gottlieb Elsner gab eine Beschwerde auf.
Er beschwerte sich darüber, dass er seine drei Kinder zur Schule nach Reddelich schicken musste, obwohl die Wege zur Schule nach Steffenshagen oder Doberan günstiger waren.
Mehr dazu (Artikel)

1817 Regulierung der Feldmark von Reddelich und Separation der Hufe.
Mit der Regulierung der Dorffeldmark wurde das zum Dorf gehörende Gebiet neu vermessen. Der Wust von Diensten und Abgaben fiel weg. Es wurde ein einheitlicher Grundzins eingeführt und es erfolgte eine Separation der Gemarkung, bei der jeder Bauer ein zusammenhängendes Stück Acker- und Weideland sowie Wiese zur individuellen Bewirtschaftung erhielt. Die Dreifelderwirtschaft wurde damit aufgelöst. Neue Büdnereien werden geschaffen Die Separation veränderte das Landschaftsbild grundlegend. Es entstanden die Ackerformen, die bis zur Bildung der Produktionsgenossenschaften im wesentlichen Bestand hatten. Diese Neuverteilung der landwirtschaftlichen Nutzflächen kam einer Agrarreform gleich.

1817 (Johanni, 24. Juni) Nach der Regulierung der Dorffeldmark von Reddelich werden 13 Büdnerstellen geschaffen.
Die Büdner müssen von Johanni an alljährlich 10 Reichstaler zahlen.
Der Büdnerei Nr.1 des Webers Mahn werden Ländereien an dem Weg nach Obersteffenshagen beigelegt. Die Büdnerei hat nun 1151 Quadratruten Land. Seinem Sohn wird die Büdnerei Nr. 2 am Jennewitzer Weg mit 1071 Quadratruten überlassen. Weiterhin werden noch zwei Büdnereien in der Nähe des Dorfes Glashagen zum Kauf angeboten. Neben Mahn werden als Käufer noch folgende Namen genannt: die Büdner Fahrenheim und Schwarck, der Weber Radloff aus Glashagen, der Einlieger Thamms auch aus Glashagen, der Maurergeselle Jürß und der Weber Pingel.
Der Schulmeister von Reddelich wird vom Amt vorgeladen, um ihn zu Protokoll zu vernehmen, ob er nun mit seiner Zuteilung an Acker zufrieden ist. Dadurch können die Büdner und der Lehrer eine Familie von der Bewirtschaftung des Ackers ernähren.

1818, (März) Der Büdner Mahn aus Reddelich erhielt einen Pachtvertrag über die Büdnereien 1 und 2.
Das überlieferte Dokument ist ein gutes Beispiel für damalige Verwaltungsakte. [UL, 06/2011]
Mehr dazu (Dokument)

1818 Superintendentur, Präpositur Doberan (D. Rostock) mit der Kirche in Steffenshagen.
Zum Kirchspiel Steffenshagen (Jurat M.Baade aus Reddelich) gehörten Klein -, Vorder-, und Hinterbollhagen, Brodhagen, Fulgen, Glashagen, Reddelich, Ober-, Nieder- und Meierei Steffenshagen, Stülow, Wittenbeck.

1818 Dorf Brodhagen hatte vier Büdner.

1818 Poststraßen durch Reddelich:
Fahrende Post, daneben reitende Post Oberpostamt Rostock: Lübecker fahrende Post (Die Zahlen sind Angaben in Meilen)
Rostock – Klein Schwass – Parkentin – Doberan 2 – Reddelich 2 – Kröpelin 1 – Detershagen – Westenbrügge – Lehnenhof 3 – Neubukow 1 – Alt Bukow – Neuburg – Kartlow – Rohlstorf 4 – Hornstorfer Burg – Wismar 3 – Grevesmühlen 2 ½ – Dassow 2 – Lübeck 2 ½
Geht ab sonntags und mittwochs mittags 12 Uhr nach Ankunft der Stralsunder Post, kommt an montags früh und donnerstags früh 2 Uhr.

1818 Pächter von Hof Brodhagen, Hof Steffenshagen und Vorderbollhagen war ein Burmeister
Brodhagen Dorf hatte drei Vollhufner, vier Büdner und eine Kalkbrennerei aber keine Schule.
In Reddelich gab es neun Vollhüfner, fünf Büdner und eine Schule.

1819 (1. Dezember) Erste Volkszählung in Mecklenburg.
Mecklenburg – Schwerin hatte 393.000, Mecklenburg-Strelitz 72.000 Bewohner.
Mehr dazu (Statistik für Reddelich und Brodhagen)

1820 – 1843 Neue Pachtperiode für die Dorfschaft Brodhagen.
Es bestanden drei Hufe: I – Gustav Pentzien, II – Schulze Bull, III – Hinrich Pentzien Der Acker war in sieben Schläge eingeteilt. Von den Hufen wurden Bonitierungsprotokolle angefertigt.

1820 Wirtschaftliche Lage der Büdner verbesserte sich.
Die Kommunalweide im Dorf wurde aufgehoben und zusätzliche Ackerflächen konnten kostenfrei gepachtet werden.

1820 Einteilungsregister der Dorffeldmark Brodhagen.
Verzeichnet waren die Hauswirte:

  • H I Johann Pentzien
  • H II Joachim Bull
  • H III Jochim Pentzien

sowie die fünf Büdner:

  • B 1a Peter Jenning
  • B 1b Boeckmann
  • B 2 Johann Vick
  • B 3 Joachim Pentzien
  • B 4 Joachim Wendelborn, Trost und Baade

1820 (18.Januar) Aufhebung der Leibeigenschaft mit Wirkung von Ostern 1821

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Kapitel 4: Das Leben auf dem Lande ab 1821 bis zur Gründung des Deutschen Reichs 1871

1821 ›Ordnung des Armenwesens und des Heimatrechtes.‹
Mit der Aufhebung der Leibeigenschaft waren die Tagelöhner frei. Sie konnten kündigen, aber ihnen konnte auch gekündigt werden. Viele Gutsbesitzer und Dorfschulzen verfuhren gerne nach dem bequemen Motto: Tagelöhner, die keine Hüsung hatten, bekamen keine Arbeit und wer keine Arbeit hatte bekam keine Hüsung, was bedeutete, sie hatten auch kein Heimatrecht. Diese Rechtlosen erhielten keine Genehmigung zur Heirat, was durch die Armenordnung etwas abgemildert werden sollte. Tagelöhner, die keine Arbeit und damit keine Unterkunft hatten, wurden in das Güstrower Landesarbeitshaus eingewiesen, in dem unhaltbare Zustände herrschten. Fritz Reuter hat in seinem Werk ›Kein Hüsung‹ diese unmenschliche Praxis angeprangert.
Der Inhalt in Kürze: In einem mecklenburgischen Gutsdorf möchte der Knecht Johann Schütt die Tagelöhnertochter Marie Brandt heiraten. Der Gutsherr erteilt dazu aber keine Erlaubnis. Bei einer Auseinandersetzung schlägt dieser Johann mit der Reitpeitsche brutal ins Gesicht. Der verliert die Beherrschung und ersticht mit der Forke den Gutsherrn. Mit Hilfe seines väterlichen Freundes Daniel entkommt Johann und wandert nach Amerika aus. Daniel gibt ihn den Leitspruch „De Hauptsak is, liehr wat, Jehann“ mit auf dem Weg. Marie bringt ihr Kind außerehelich zur Welt. Die Öffentlichkeit im Dorf bedeckt sie mit Schande. Marie muss die Wohnung räumen und ihr Kind in fremde Obhut geben. Das erträgt sie nicht und begeht Selbstmord. Wie es in solchen Fällen damals üblich war, wird sie an der Kirchhofsmauer verscharrt. Nach vielen Jahren kommt Johann ins Dorf zurück und entführt sein Kind in die Freiheit nach Amerika.

1822 (04. April) Verordnung über Separation und Vererbpachtung.
Regulierungspläne wurden aufgestellt. Die Frondienste und bäuerlichen Abgaben wurden abgelöst gegen Zahlung einer Grundsteuer durch die Bauern. Die Bauern konnten sich von den Diensten, die sie ursprünglich auch auf den Domänen leisten mussten, freikaufen.

1825 Die Erlaubnis zur Pferdehaltung für Büdner wurde durch den Herzog erteilt.

1828 Pachterlass für die Dorfschaft wegen erlittenen Hagelschadens.
Folgende Hauswirte wurden aufgeführt: 1-Waack, 2-Uplegger, 3-Bull, 4- Schulze Bade, 5-Oemig, 6-Westendorf, 7-Frahm, 8-Masch.

1834 Angaben über die Bewohner von Brodhagen und Reddelich.
Brodhagen hatte 3 Vollhüfner, 5 Büdner, eine Kalkbrennerei aber keine Schule.
Reddelich hatte 9 Vollhüfner, 6 Büdner und eine Schule

1834 Oberpostamt Rostock, Fahrpost über Reddelich.
Hamburger Fahrpost über Reddelich – Wismar – Schwerin – Boizenburg montags und mittwochs.
Lübecker Fahrpost sonntags und donnerstags. Hamburger – Lübecker Reitpost

Ab 1835 erhielten Lehrer nach ihrem Ausscheiden eine Pension.
Mehr dazu (RADUCLE-Artikel über Dorfschulen)

1839 Vergütung für Kriegsschäden für 1806 – 1815.
Im Jahre 1839 erhieltlt die Dorfschaft Reddelich für den Zeitraum 1806 – 1815 insgesamt 270 Reichstaler Entschädigung. Es gab eine Aufzählung der Bauernstellen und die Leistungen für besondere Lasten.

1840 Im Mecklenburgischen Staatskalender wurden die Bauern von Reddelich ab 1841 nicht mehr als Vollhüfner sondern als Zweidrittelhüfner aufgeführt.

1842 Reddelich hatte 251 Einwohner mit 9 Bauern, 7 Büdner, Schmiede und Schuster.
An der Kunststraße nach Kröpelin befand sich ein Chausseehaus.

1842 Die Kalkbrennerei Brodhagen wurde an Friedrich Elsner, Sohn des bisherigen Kalkbrenners, Gottlieb Elsner, verpachtet.
Die Rechte und Pflichten des Pächters wurden derart streng reglementiert, dass von selbstständiger Arbeit keine Rede sein konnte.
Mehr dazu (Artikel)

1842 – 1847 Bau der Chaussee Rostock – Wismar.
In Reddelich existierte ein Chausseehaus mit vorgebautem Erker, wo ein Chausseegeldeinnehmer Benutzungsgebühren kassierte. Diese Häuser gab es in der Regel alle 7,5 km.
Anmerkung: Das Geograhisch- statistisches Handbuch Mecklenburg von 1843 führt in dem Kapitel Übersicht der Kunststraßen (Chausseen) Mecklenburgs den Bauabschnitt Rostock – Kröpelin als fertiggestellt auf. Der Abschnitt Wismar – Kröpelin ist dort als im Bau aufgeführt. [UL/2011]
Mehr dazu (zeitgenössische Wegezustandsbeschreibung)

1843 (12. Juli) Beschwerde von Johann Engel (geb. 1803),
Der Chausseegeldeinnehmer im Chausseehaus (Hebestelle) bei Reddelich beschwerte sich über die Unzulänglichkeit der Schulbildung an der Dorfschule in Reddelich. Er würde seine Kinder lieber nach Doberan oder Kröpelin schicken, was nur genehmigt wird, wenn er trotzdem Schulgeld in Reddelich bezahlt.

1845 Pension für den Lehrer Jürwitz von Reddelich.
Der Großherzog bewilligte dem Dorfschullehrer Jürwitz von Reddelich eine Pension in Höhe von 80,- Reichstaler. Zu zahlen hatte diesen Betrag zu gleichen Teilen die Doberaner Amtskasse, die Amtsschulkasse und das Dorf.

1846 (Johanni, 24. Juni) bis Johanni 1860, Pachtvertrag mit Vertragsanschlägen für die Reddelicher Hauswirte.
Die Hauswirte von Reddelich: Waack (Hufe I), Uplegger (Hufe II), Bull (Hufe III), Baade (Hufe IV), Kruth (Hufe V), Westendorf (Hufe VI), Frahm (Hufe VII), Daniel Baade (Hufe VIII), Schulze Baade (Hufe IX).
Pachtverträge wurden einheitlich mit dem ganzen Dorf abgeschlossen.

1846 (18. Mai) Herzogliches Zirkular zur Ansiedlung von Häuslereien
Der Großherzog erließ das sogenannte Häuslerpatent, um die massenhafte Flucht und Auswanderung von Tagelöhnerfamilien zu verhindern.
Auszüge aus Grundbedingungen des Verhältnisses der Häusler und Zusatzakte zu den Grundbriefen über Häuslereien:
Handwerkern, Tagelöhnern und Einlieger, die bei Bauern oder Büdner wohnten, durfte gestattet werden ein Haus zu bauen. Einzeln stehende Häuser waren nach einem Bebauungsplan in Häuserreihen zu errichten.
Bedingungen für eine Baugenehmigung waren:

  • ein feuerfestes Dach
  • nur für den Wohnungsbedarf einer Familie
  • kein Abweichen vom genehmigten Bauplan
  • nur Bauherren mit Einwohnerrecht im Domanium
  • Vermögen über 2/3 des Baugeldes
  • Versicherung des Hauses bei der Domanialbrandkasse
  • Vorkaufsrecht der Kammer
  • keine Parzellierung des Grundstücks und Zusammenlegung mit anderen Grundstücken

1847 (03. September) Pässe für Auswanderer wurden ausgestellt.

1848 Bürgerliche Revolution in Deutschland.
In Mecklenburg wurden einige demokratische Freiheiten eingeführt, wie die Wahl einer verfassungsgebenden Versammlung. Eine Repräsentativverfassung wurde verabschiedet. In Aktionen auf dem Lande wurden das freie bäuerliche Eigentum, die Reduzierung des Großgrundbesitzes und die Abgabe von Land an die Landarbeiter gefordert.

1848 – 1863 Der Hof Brodhagen erhielt einen neuen Pachtkontrakt,
Pächter ist Burmeister, Größe des Gutes: 85.899 Qudratruten
Anlage B zum Pachtkontrakt: Verzeichnis der Emolumente und Leistungen der Tagelöhner zu Hof Brodhagen. Jeder Tagelöhner erhält:

  • Wohnung nebst Garten von 60 Quadratruten
  • An Kartoffelacker im Felde 72 Qudratruten
  • Zum Flachsbau 16 Quadratruten
  • Weide und Winterausfütterung für eine Kuh und drei Hammel
  • Zur Ausfütterung der im Stalle zu haltenden Schweine 30 Scheffel Kaff, jährlich
  • an Tagelohn: Im Sommer 10 Schillinge, im Winter 9 Schillinge . Jede Frau empfängt an Tagelohn im Sommer 7 Schillinge, im Winter 6 Schillinge (16 Schillinge = eine Mark)
  • an Drescherlohn den 17-ten Scheffel

Dagegen leistet:

  • jeder Tagelöhner und jede Frau die Arbeiten in der Ernte unentgeltlich
  • jede Frau außerdem für die Wohnung 56 Tage im Jahr gleifalls unentgeltlich
  • Zur Arbeit kommen die Männer im Sommer morgens um 6:00 Uhr, die Frauen 6:30 Uhr und bleiben bei der Arbeit bis ½ Stunde vor Sonnenuntergang, haben jedoch zum Mittag und zwar die Männer eine Stunde, die Frauen zwei Stunden, so wie zum Frühstücken und zum Vesper eine halbe Stunde Ruhe.
  • Außerdem leistet der Pächter alle kleinen Fuhren für die Tagelöhner unentgeltlich und berücksichtigt für dieselben die Befreiungsgelder vom Mahl- und Schmiedezwange ohne Anrechnung.

Anmerkung: vgl.: Regulativ 1863)

1850 (September) ›Freienwalder Schiedsspruch‹.
Aufhebung der demokratischen Errungenschaften in Folge der 1848-er Revolution und Wiedereinsetzung des Landesgrundgesetzlichen Erbvergleichs in Mecklenburg.

1851 In Reddelich wurden die ersten Häuslereien neu gebaut.
Das in der Erweiterung stehende Verzeichnis gibt einen Überblick aller Hauslereien Reddelichs bis 1945. [UL, 06/2011]
Mehr dazu (Übersichtstabelle der Häuslereien)

1851 Beginn der massenhaften Auswanderung nach Amerika.
Die Auswanderung aus Mecklenburg war von 1850 bis 1890 eine Massenerscheinung. Von 1853 bis 1908 wanderten 120.000 Personen aus. Gründe waren: Der Wunsch nach eigenem Grund und Boden und die fehlende Gewerbefreiheit in Mecklenburg. Auch die Einstufung vieler Menschen als Heimatlose ohne Wohnrecht, die keine Ehe schließen durften, was viele uneheliche Kinder und die Ächtung ihrer Mütter zur Folge hatte, bewegte viele zum Verlassen Mecklenburgs. Die bereits Ausgewanderten erzeugten eine Sogwirkung, die auch Unzufriedene mit den politischen Verhältnissen und Abenteurerlustige erfasste und mit abgeschobenen, unliebsamen Personen durch das Land die Auswanderungsschiffe nach Übersee füllten.
Der Lehrer Johannes Gillhoff schildert in dem ergreifenden und amüsanten Lebensbericht Jürnjakob Swen der Amerikafahrer (Nach Briefen, die der Vater des Autors aus Amerika erhalten hatte.) die Ursachen für die Auswanderung und das Leben der Auswanderer in Amerika.
Auszüge: Jürnjakob Swen hatte viel Schweiß bei der Arbeit auf seiner eigenen Farm verloren. Trotzdem bereute er seinen Schritt zur Auswanderung nicht. Als Grund dafür gibt er an:

Im Dorf wär ich bei aller Arbeit doch man Tagelöhner geblieben und, wenn`s hoch kam, Häusler, und meine Kinder wären wieder Tagelöhner geworden. Wir haben hier scharf ran müssen, viel schärfer als in old Country. Das muss wahr sein. Aber dafür habe ich auch mehr vor mich gebracht. Das muss auch wahr sein. Hier hab ich mich frei gemacht. Hier stehe ich mit meinen Füßen auf meinem eigenen Boden und tagelöhnere nicht beim Bauern. Das Freisein ist schon ein paar Eimer Schweiß wert.

Über seine Mecklenburger Wohnung schreibt er:

Es war ein Strohkaten. Er war niedrig im Dach… Darin gehörten uns eine Stube und eine Kammer. Der Fußboden war als Lehm auf dem Püttberg gewachsen. Aber sonntags streute die Mutter weißen Sand. Da sah er schön nach Sonntag aus.

1851(März) Die Dorffeldmark von Brodhagen wurde neu reguliert.
In Brodhagen wurden 1851 neue Klassifizierungstabellen über die regulierten Flächen aufgestellt.
Mehr dazu (Klassifizierung)

1851 Uneheliche Geburten im Kirchspiel Steffenshagen
Auf Grund der unmenschlichen Praxis des Heimatrechtes, die den Heimatlosen ohne Wohnrecht die Genehmigung zur Eheschließung verweigerte, kam es auch im Kirchspiel Steffenshagen – so auch in Reddelich und Brodhagen – zu vielen unehelichen Geburten. In den Jahren von 1851 bis 1858 kamen 90 von 611 Kindern außerhalb der Ehe zur Welt. Das betraf vor allem Knechte und Handwerksgesellen bei den Männern und Dienstmägde bei den Frauen. Zum Beispiel wurden dem Dienstmädchen Anna Schiever aus Reddelich und dem Schustergesellen Johann Steinbock aus Kröpelin in den Jahren 1841 und 1843 ein Mädchen und ein Junge geboren

1852 Bau der Reddelicher Schule.
Die neue Schule in Reddelich war ein massives Haus mit Steindach, dahinter Stall und Scheune mit Strohdach. Zur Schulstelle gehören 4 ha Ackerland, beim Gehöft eine Wiese von 54 ar und einen Garten von 13 ar. Das Gebäude besteht noch heute als Wohnhaus.
Mehr dazu (RADUCLE-Artikel über Dorfschulen)

1853 (30. September) Reservierte Ländereien zur Pachtung durch Einlieger und Häusler in Reddelich.
In Reddelich waren 6000 Quadratruten Ackerland als Pachtland für Einlieger und Häusler reserviert. Bei der Vergabe wurden Lage, Alter und Bedürfnis der Interessenten berücksichtigt. Die Einlieger oder Häusler, die im Dorfe wohnen, erhielten 185 bis 200 Quadratruten Land zur eigenen wirtschaftlichen Nutzung. Sie mussten einen Vorsteher wählen, der ihre „gemeinschaftlichen Verhältnisse und Obliegenheiten“ vertrat. Die Pacht bestand erstmalig 11 Jahre von 1849 bis 1860.

1853 (01. Juni) Verordnung über den Erwerb und Verlust des Status eines ›Mecklenburgischen Untertanen‹.

1854 Durchführung von geologischen Untersuchungen am Kalkberg in Brodhagen.
Es wurden reichliche Kalkvorkommen in guter Qualität festgestellt.
Mehr dazu (Artikel)

1854 Auswanderung aus Brodhagen
Johann Levzow, Einlieger in Brodhagen, verließ mit seiner Frau Christine und dem Sohn Heinrich die Heimat nach Nordamerika. Heinrich wurde im Jahr 1849 als uneheliches Kind geboren. Wie der Pastor von Steffenshagen ins Kirchenbuch schrieb, wurde die Geburt gleich nach der Taufe von Heinrich legitimiert.

1856 Der Kalkbrenner aus Brodhagen, Friedrich Elsner, wanderte mit seiner ganzen Familie nach Nordamerika aus. Mit seiner späteren Frau Henrica, Tochter des Dorfschulzen, hatte er 1848 die uneheliche Tochter Sophia. Zur Geburt des Sohnes Carl 1855 war der Müller E. Elsner, offensichtlich ein Verwandter des Kalkbrenners, als Pate aus den USA in Brodhagen. Dieser wird über sein Leben in Nordamerika berichtet haben, was wohl der letzte Anlass zur Auswanderung der Kalkbrennerfamilie war.
Mehr dazu (Artikel)

1857 Reddelich lag an der Chaussee von Doberan nach Kröpelin und hat einen Chausseegeldeinnehmer.
In Reddelich wohnten 342 Personen. Es gab 9 Halbhüfner (Bauern mit rd. 50 ha Land), 10 Büdner, 4 Häusler, eine Schmiede und eine Schule

1858 Ein Register der Bauernwirtschaften Reddelichs wurde erstellt. [UL, 06/2011]
Mehr dazu (Register)

1859 Das Reddelicher Hofregister wurde Aktualisiert.
Höfe Reddelichs wurden Glashagen zugeschlagen. [UL, 06/2011]
Mehr dazu (Register)

1860 -1874 Pachtverträge und Ertragsanschläge für die Hauswirte von Reddelich.
Hufe I – Waack, Hufe II – Schulze Joachim Uplegger, Hufe III – Johann Bull, Hufe – IV Peter Baade, Hufe V – Kruth, Hufe VI – Westendorf, Hufe VII – Frahm, Hufe VIII – Daniel Baade, Hufe IX – Witwe Baade

1860 (20. April) Das Finanzministerium erließ eine Anordnung zur schnellen Vererbpachtung an alle Domanialbauern.
Die Vererbpachtung sollte Dorfschaftsweise erfolgen. Ziel dieses Erlasses war die Schaffung eines unabhängigen Bauernstandes als sichere Grundlage für eine intensive Wirtschaftsführung auf dem Lande.

1860 waren 1272 Bauern in Mecklenburg Erbpächter und 4128 Zeitpächter.
Bis zum Jahre 1875 war die Vererbpachtung im gesamten Domanium durchgeführt. Im Zusammenhang mit der Vererbpachtung entstanden Dorfgemeinden.

1863 (Martini, 11. November) Einwohnerliste von Reddelich.

  • Reddelich hatte 323 Einwohner und 72 Haushalte, davon
    1. Erwachsene über 14 Jahre 108 männliche und 99 weibliche,
    2. Kinder von 5 bis 14 Jahren 29 männlich und 46 weibliche,
    3. Kinder unter 5 Jahre 19 männliche und 22 weibliche.
  • Im Dorf gibt es 65 Ehepaare, 2 Witwer und 6 Witwen. 9 Hauswirte (Bauern in Zeitpacht, noch keine Erbpächter), 12 Büdner, 5 Häusler, 49 Tagelöhner, 41 männliche und 28 weibliche Dienstboten, 1 Schuster, 1 Schmiede, 3 Maurergesellen, 1 Weber, 9 Gesellen und Lehrlinge.
  • Von den 85 Gebäuden sind 2 öffentliche Gebäude (Schule und ein Gebäude für Kommunalzwecke, 2 Ställe und Scheunen), 35 Privatwohnhäuser und 45 private Ställe, Scheunen sowie Schuppen.
  • Der Viehbestand umfasste 43 Pferde(davon 34 vierjährige), 198 Stück Rindvieh (davon 24 Ochsen und 101 Kühe), 440 Schafe, 93 Schweine und 46 Ziegen.

1863 – 1873 Verpachtung des Hofes Brodhagen an den Pächter Philipp Seer.
Anlage zum Pachtkontrakt war ein sehr konkret abgefaßtes Regulativ zu den Rechten der Hoftagelöhner.
Mehr dazu (Regulativ-Transkribt)

1867 (16. November) Großherzogliches Reskript sieht generelle Vererbpachtung vor.
Vererbpachtung wurde in Reddelich und Brodhagen ab 1870 – für die einzelnen Bauernstellen zu unterschiedlichen Zeiten – durchgeführt. Die Gehöftserben mussten 25 Jahre alt sein, Erfahrungen in der Bewirtschaftung eines Bauernhofes haben, verheiratet sein und Nachwuchs haben. Die Vererbpachtung war mit dem Freikauf der Wirtschaften durch die Bauern (Erbabstandsgeld) ausgestattet. Zu einer Verleihung von freiem Eigentum an den bäuerlichen Stellen kam es aber nicht. Durch die Abstandzahlungen der Bauern im Domanium sicherte sich der Herzog eine zusätzliche hohe Geldeinnahme.

1867 Volkszählung in Mecklenburg.
Reddelich hatte 324 und Brodhagen 137 Einwohner
Mehr dazu (Statistik)

1867 Büdner konnten in Mecklenburg Land käuflich erwerben

1867 (25. Juni) Verfassung des Norddeutschen Bundes trat in Kraft.

1868 »Maaß- und Gewichtsverordnung« des Norddeutschen Bundes wurde in Mecklenburg verbindlich.
Mecklenburg bekam verbindlich Maße und Gewichte nach dem metrischen System

1868 Beitritt Mecklenburgs zum Deutschen Zollverein.

1868 Einbindung Mecklenburgs in die Gesetzgebung des Norddeutschen Bundes mit dem Gesetz über die Freizügigkeit (1868) und mit der Gewerbeordnung (1869)
Die Einwohner von Mecklenburg konnten nun den Wohnsitz frei wählen. Die Einführung der Gewerbeordnung war mit der Aufhebung des Zunftzwanges verbunden. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es auf den mecklenburgischen Dörfern nur kleine Handwerker, wie Schneider, Weber, Schmiede, Rademacher (Stellmacher) und sog. Altschuster nur für Reparaturen. Anderen war es nicht gestattet ein Handwerk auf dem Lande auszuüben. Durch diese Gesetzgebung erfolgte ein wirtschaftlicher Aufschwung im Lande.

1869 (29. Juni) Eine Gemeinde-, Armen- und Schulordnung in Mecklenburg wurde erlassen.

1869 Gewerbe Neuordnung in Mecklenburgs Dörfern.
Der Norddeutsche Bund verabschiedete eine Gewerbeordnung mit der Aufhebung des Zunftzwanges. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es auf den mecklenburgischen Dörfern nur kleine Handwerker. Lediglich Schneidern, Webern, Schmieden, Rademachern u. a. war es gestattet ein Handwerk auszuüben.

1870 bis 1871 Deutsch – Französischer Krieg mit der Beteiligung mecklenburgischer Truppen.

1871 Gründung des Deutschen Reiches.
Es entstand ein Bundesstaat, der von Preußen dominiert wurde. Mecklenburg blieb auf dem Gebiet der Innenpolitik relativ selbstständig. Die Wirtschaftspolitik, in der die Landwirtschaft vorherrschte, oblag vollkommen dem Land. Die Schulverwaltung mit der protestantischen geistlichen Schulaufsicht bis 1918 war ebenfalls Ländersache.

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Kapitel 5: Die Integration in das Deutsche Reich ab 1871 bis zum Ende des I. Weltkriegs 1918

1871 Einführung der Gemeindeordnungen in Mecklenburg.
Als Voraussetzung für die geplante Vererbpachtung der Bauernhöfe erhielten die Dörfer im Domanium Gemeindeordnungen. Die bislang direkt von den Domanialämtern verwalteten Orte, wurden relativ selbstständige Gemeinden.

1871 Das Dorf Brodhagen hatte 131 Einwohner,
davon waren 3 Bauernfamilien, 6 Büdner, 4 Häusler, 5 Gehöftstagelöhner, 10 Einlieger und ein Lehrer. Die Größe der Feldmark betrug 58.300 Quadratruten. 1875 gab es sechs Häusler. Die Akten enthalten Wünsche der Bewohner zur anstehenden Regulierung der Feldmark.
Durch die Schaffung von Büdner- und Häuslerstellen im Domanium betrug hier die Bevölkerungsdichte 35 Einwohner pro km², während im Bereich der ritterschaftlichen Güter nur 21 auf den km² entfielen.

1872 von der Hoffeldmark (Domäne) Brodhagen wird eine Karte angefertigt. [UL, 06/2011]
Mehr dazu (Flurkarte)

1873 – 1894 Verbpachtung des Hofes Brodhagen an Philipp Seer.
Die Größe des Hofes betrug 189 ha, 44 a, 71 m²

1873 Grundstücke in der Größe von 3916 Quadratruten der Kalkbrennerei sind aus der Feldmark von Obersteffenshagen entnommen worden.
Seit dem Jahr 1866 ist ein Rückgang der Produktion der Kalkbrennerei zu verzeichnen, da weniger Kalk abgenommen wird. Die Kalkbrennerei soll mindestens 15 Brände im Jahr schaffen. Danach wird die Jahrespacht berechnet. Es werden aber wenige Brände erreicht.
Mit der Übertragung von Landwirtschaftsfläche verlor die Kalkbrennerei den Charakter eines Gewerbebetriebes und wurde zu einer Büdnerei. Grund dürfte gewesen sein, dass mit dem stetigen Rückgang der Branntkalkproduktion der Unterhalt der Kalkbrennerfamilie nicht mehr gewährleistet war. [UL/2012]
Mehr dazu (Artikel)

1873 Regulierung der Feldmark und die Vererbpachtung der Bauernhufe in Reddelich.

1873 Einteilungsregister von Reddelich und Brodhagen (Veränderungen zu 1860).
Mehr dazu (Register)

1874 Das Reichszivilstandsgesetz schrieb die bürgerliche Ehe und die Glaubensfreiheit vor.
Die Trennung von Kirche und Staat wurde in Mecklenburg durch Verordnungen untergraben. So blieb die Schulaufsicht bis 1918 in der geistlichen Hand der protestantischen Kirche.

1874 (Johanni, 24. Juni) Regulierung und Vererbpachtung von Dorf Brodhagen.
Zu Johanni 1873 lief der Kontrakt der Hauswirte von Obersteffenshagen ab. Die Feldmark wurde neu reguliert und die Bauernhufe wurden vererbpachtet. Dabei sollte der Acker der Schule von Brodhagen, der ursprünglich von den Obersteffenhäger Hufe entnommen worden war, zum Register von Brodhagen kommen. Dadurch soll der Lehrer von Brodhagen wünschenswertes Ackerland erhalten.

1874 (1. Juli) Mit Einführung von Gemeindeordnungen wurden Reddelich, Dorf Brodhagen wie auch Hof Brodhagen eigenständige Gemeinden.
Es wurde festgestellt, dass die Feldmark reguliert ist, d. h. die Gemeindefeldmark war gleich mit der Ortsfeldmark. Alle herrschaftlichen Hilfen fielen weg, so Zuschüsse für das Armenwesen, für den Amtarztgehalt, für das Feuerlöschwesen und für die Baulast am Schulgebäude. Der Schulze musste einen Eid ablegen und wurde auf seinen erweiterten Wirkungskreis hingewiesen. Die unten stehenden Mitglieder der Dorfversammlung wurden ernannt und für die gewissenhafte Erfüllung ihrer Aufgaben verpflichtet.
Bei der Protokollabfassung waren aus Reddelich anwesend:
Der Schulze Joachim Upplegger, H II; Der Erbpächter Johann Baade H IX; Der Erbpächter Johann Frahm H VII.
Im Protokoll wurde festgehalten, dass noch zwei Büdner und ein Häusler für die Dorfversammlung zu wählen sind.
Im Dorf Brodhagen wurde die Gemeindeordnung eingeführt:
Es wurde festgestellt, dass die Feldmark reguliert ist, d. h. die Gemeindefeldmark war gleich mit der Ortsfeldmark. Alle herrschaftlichen Hilfen fielen weg, so Zuschüsse für das Armenwesen, für den Amtarztgehalt, für das Feuerlöschwesen und für die Baulast am Schulgebäude. Der Schulze musste einen Eid ablegen und wurde auf seinen erweiterten Wirkungskreis hingewiesen. Die unten stehenden Mitglieder der Dorfversammlung wurden ernannt und für die gewissenhafte Erfüllung ihrer Aufgaben verpflichtet.
Bei der Einführung der Gemeindeordnung waren anwesend: Schulze Johann Bull, Hauswirt Joachim Pentzin, Erbpächter Peter Pentzin, Schullehrer Johann Krambeer, Büdner und Schmied Theodor Wigers und Häusler und Schneider Johann Bull.
Anmerkung: Vorraussetzung für die Vererbpachtung der Bauernhufe war die Einführung der Gemeindeordnung (relative Selbständigkeit der Gemeinden). Die Gemeindeschulzen werden weiter vom Domanialamt eingesetzt. Früher wurden die Kontrakte, die Pachtverträge, einheitlich mit allen Bauern der Ortschaft abgeschlossen.
Einführung der Gemeindeordnung von Hof Brodhagen.
Gründung der selbständigen Gemeinde Hof Brodhagen. Auszüge aus dem Protokoll der Einführung der Gemeindeordnung von Hof Brodhagen:
Die Leitung hatte Herr Amtsmann Reichhof. Teilnehmer war der Gutspächter Seer:
» … um die näheren Bestimmungen in Betreff der demnächstigen Konstituierung der genannten Ortschaft als selbständige Gemeinde in Grundlage der Gemeindeordnung vom 29. Juni 1869 entgegenzunehmen.“
Folgende Festlegungen wurden getroffen: „Die Gemeindefeldmark umfasst das Pachtgrundstück Brodhagen, es bleibt aber vorbehalten … den Gemeindebezirk anders festzulegen.«
Dem Pächter bleibt es: » … überlassen alle Gemeindelasten selbst zu tragen oder nach Maßgabe der Gemeindeordnung die übrigen Mitglieder heranzuziehen.« Ihm obliegt es: » … sämtliche aus der Gemeindeordnung entspringenden Geschäfte« zu tätigen. Für einen Amtsarzt ist gemeinsam mit Dorf Brodhagen ein Honorar zu zahlen und ein Wundarzt zu bestellen. »Es bleiben bis auf weiteres die übrigen Verbände § 6 der Gemeindeordnung, und zwar in bisheriger Weise von Bestand, wie Schul-, Hebammen-, Spritzen ect. Verbände.«
Mit der Gemeinde Dorf Brodhagen ist die Hebamme mit Feuerung zu versorgen.

1874 Ein Statut über Altenteiler und Abfindungen aus den Bauerngütern wurde erlassen.
Mehr dazu (Regelungen)

1874 Erstmalig wurden Reddelicher Bauernhufe in Erbpacht gegeben.
Mehr dazu (Pachtstatus und Vertragsabschrift)

1874 Der Vertrag für die Zeitpacht für die Dorfschaft Reddelich war beendet.
Geplant war eine einheitliche Einführung der Veerbpachtung der Bauernstellen. Das war an bestimmte Bedingungen geknüpft
So war der Pächter der Hufe 5, Johann Kruth, noch nicht verheiratet und kinderlos. Erst mit der Geburt seines Sohnes Wilhelm 1881 erhielt er einen Erbpachtvertrag. Der Gehöftserbe der Hufe 3 war 1874 erst 13 Jahre alt. Erst mit 25 Jahren 1884 erhielt er einen Erbpachtvertrag. Die Vererbpachtung der Wirtschaften erfolgte auf Kosten der Bauern. Sie mussten ein Erbstandsgeld von je über 20.000 Reichsmark zahlen. Mit der Vererbpachtung wurden die Gemeindeordnungen eingeführt. Die Landgemeinden erhielten hiermit eine relative Selbständigkeit. Die Dorfschulzen durften auch jetzt noch nicht gewählt werden, sondern wurden von den Ämtern (Behörden) eingesetzt.

1879 Errichtung eines Amtsgerichts in Kröpelin
Dieses Amtsgericht war zuständig für Reddelich und Brodhagen.

1879 (1. Oktober) Erscheinen des ›Ostsee-Boten‹ in Kröpelin
Der Buchdruckermeister Alex Michaels übernahm am 1. April 1909 den Ostsee-Boten. Diese Wochenzeitung, die im Kreisarchiv von Bad Doberan einsehbar ist, stellt eine wichtige Quelle für unsere Chronik dar.

1881 (17. Februar) Es erschien eine Todesanzeige von Philipp Seer im ›Mecklenburgischer Anzeiger‹.

1881 Gründung der Feuerwehr in Reddelich, angeschlossen waren Glashagen, Stülow, Brodhagen und Obersteffenshagen.
Siehe Hinweis zur Chronik der Feuerwehr Reddelich in Kapitel 1!

1881 bis 1887 Neue Häuslereien wurden in Reddelich gebildet.
Mehr dazu (Auflistung mit Kaufpreis)

1882 (9. März) Aus einem Schreiben der Großherzoglichen Kammer geht hervor, dass aus der Hufe VII die Büdnerei 16 hervorgeging.
Weiterhin wurde ausgeführt, dass die Büdnereien 9 – 13 nach Glashagen übergegangen sind.
Anmerkung: Meines Erachtens muss es heißen Büdnerei 10 – 13, da es in Reddelich die Nummer 9 gegeben hat.

1883 Fertigstellung der Eisenbahnstrecke Rostock –Doberan (26. Juli) und Doberan – Wismar (22. Dezember) mit Haltestelle in Reddelich.

1887 (10. Oktober) Gründung einer Molkereigenossenschaft in Reddelich.
Durch die Domänenpächter von Hof Steffenshagen: Ahrens, Hof Brodhagen: Dierks, und Hof Brusow: Dr. Wirts wurde eine Molkereigenossenschaft gegründet. Hinzu kamen die Bauern aus Reddelich, Steffenshagen, Brodhagen, Glashagen, Stülow und Brusow insgesamt sind es etwa 100 Milchlieferanten.
Der Bauplatz wurde in einer Größe von 2581 m² von der Hufe II abgetreten.

1889 bis 1893 wurden die bis dahin betriebenen privaten Bahnen verstaatlicht.
Die neu gegründete Großherzogliche Mecklenburgische Friedrich-Franz-Eisenbahn übernahm den Bahnverkehr.

1890 Volkszählung in Mecklenburg.
Reddelich hatte 354 Einwohner.

Es gab in Reddelich:

  • 9 Erbpächter, für den Erbpächter Bull hatten Barten und für Oemick Kruth die Wirtschaft übernommen.
  • Es wurden 15 Büdnereien aufgeführt, wobei für die Büdnerei 10, 12 und 13 keine Besitzer genannt sind.
  • Weiterhin waren 20 Häusler vorhanden.
  • Vorsteher der Bahnstation war Otto Heyden. Das Bahnhofsgebäude war weiterhin bewohnt von Otto Heyden.
  • Das Schulgehöft bewohnte Heinrich Hoop im Schulhaus auch Bernhard Dahnke.
  • In der Molkerei wohnten Obermeier Ernst Eichblatt und der Molkereiverwalter Friedrich Bastian.

Dorf Brodhagen hatte 101 Einwohner.
Es gab in Dorf Brodhagen:

  • 3 Gehöfte: Joachim Pentzien, Anna Bull und Heinrich Pentzien,
  • 6 Büdnereien: Heinrich Schlutow, Theodor Wigers(Schmied), Heinrich Schönfeldt, Johann Kriege, Heinrich Schoof und Wilhelm Rehm,
  • 6 Häuslereien: Peter Pentzien, Heinrich Rachow, Dorothea Klöcking, Johann Bull, Helmuth Karsten und Joachim Mach und Schulhaus: Johann Krambeer

Hof Brodhagen hatte 62 Einwohner.
In Hof Brodhagen gab es das Pächterhaus mit dem C. Fabricius als Pensionär bzw. Pächter und vier Doppelkaten sowie die Kalkbrennerei mit dem Ziegler Johann Maykohp, der als Kalkbrenner aufgeführt wurde.

1891 Großbrand in Reddelich.
Ein Großfeuer vernichtete die Wohn- und Wirtschaftsgebäude der Hufe VI (Westendorf/Brinkmann), die sich im Dorfzentrum befanden. Der Aufbau der Gebäude erfolgte inmitten der Feldmark an dem Weg nach Glashagen. Aus dem Grundstück im Dorf entstanden die Büdnerei 17 (Westphal) und die Häuslerei 22 (Susemihl).
Mehr dazu (Zeitungsausriss aus ‚Ostseebote‘

1892 Gründung des Reddelicher Gesangsvereins.

1894 (Johanni, 24. Juni) Verpachtung der Kalkbrennerei in Brodhagen.
Der Domänenpächter, Burmeister zu Vorderbollhagen pachtete die Kalkbrennerei in Brodhagen und zahlt einen Pachtvorschuss von 3.200,-Mark.
Mehr dazu (Artikel)

1899 (9. April) eine Gesindeordnung wurde erlassen.
Die Gesindeordnung regelte das Verhältnis zwischen Gesinde (Dienstmädchen und Landarbeiter bzw. Tagelöhner) und Herrschaft (Dienstherren, Bauern). Sie war gekennzeichnet durch die Unterwerfung des Gesindes unter die Willkür der Herrschaft. Im Jahre 1918 wurde Die Gesindeordnung abgeschafft.

1900 Volkszählung in Mecklenburg – Schwerin.
Die Zählung ergab 600.000 Einwohner, von denen etwa die Hälfte auf dem Lande lebten.
Mehr dazu (Auflistung der Volkszählungsergebnisse für Reddelich und Brodhagen)

1904 Die Reddelicher Schulstelle wurde an Lehrer Prösch vergeben.
Das Gehalt des Lehrers Prösch betrug 105,- Mark und 15 Zentner Roggen. Als Feuerung erhielt er das übliche Deputat in Buchen- und Eichenholz und 4000 Soden Torf. Die Schule war einklassig mit 60 bis 70 Schülern belegt. Lehrer Prösch war Mitglied der Molkereigenossenschaft, des Spar- und Darlehensvereins und des Gesangvereins.
Mehr dazu (RADUCLE-Artikel über Dorfschulen)

1905 (1. Dezember) Volkszählung:
Angaben zum Hof Brodhagen: Größe: 189,4 ha, 150 ha Ackerland und Garten, 31 ha Wiesen, 1 ha Weiden, 7,4 ha Wald, 599,9 bonitierte Scheffel, Viebestand: 15 Pferde, 89 Rinder davon 67 Kühe, 142 Schafe, 63 Schweine, Pächter: Otto Krieg,

1906 (1. Juli) Herr W. Baade verkaufte seine Erbpachtstelle Hufe IX.
Der Kaufpreis betrug 115.000,- Mark. Käufer war die Gemeinnützige Mecklenburgische Ansiedlungsgesellschaft AG. Diese teilte die Stelle auf und verkauft die einzelnen Parzellen in der Größe von 3000 bzw. 2000 Quadratruten zum Aufbau von 10 Büdnereien (B 18 – 27), gelegen zwischen der Chaussee nach Doberan und dem Stülower Weg.
Zum Bestreiten von vermehrten Gemeinde- und Schullasten erhielt Reddelich auf dem Klosterberg unentgeltlich ein 3300 Quadratruten großes Areal, dass die Gemeinde an Reddelicher in Stücken zu etwa 120 Quadratruten verpachtete.
Einzelheiten dazu auf der Seite zur Hufe IX

1906 (Februar) Durchführung eines Elternabends im Saal des Gastwirtes Roß.
Herr Pastor Otto und Herr Lehrer Prösch hielten Vorträge über die Geschichte der Volksschule und über Die Bedeutung der Volksschule für die Gegenwart. Der übrige Teil der Feier bestand aus Deklamationen und Liedvorträgen der Kinder.

1906 (März) Aufführung des humoristischen Volksstücks ›Hau möt hei hebben‹ im Roßschen Saale durch den Gesangverein.

1906 (März) Mitteilung über eine Überschreitung des Züchtigungsrechts durch den Lehrer nur bei einer durch einen beamteten Arzt nachgewiesenen Schädigung der Gesundheit.

1906 (Oktober) Haft für Schmiedegeselle J.
Er ist wegen Wiederstand gegen Amtsführung zu einer Woche Haft verurteilt.

1906 (Oktober) Einbruch beim Händler Dreier durch einen Zimmmermannsgesellen aus Kröpelin.

1906 Bau eines Eiskellers in der Molkerei zur Aufbewahrung von Milch und Butter.

1907 (Januar) Wahlergebnisse zur Reichstagswahl in Reddelich:
Linck (national) 10 Stimmen, Fischer (liberal) 18 Stimmen, Dr. Herzfeld (sozialdemokratisch) 44 Stimmen.

1907 (Mai) Generalversammlung des Spar- und Darlehnkassen-Verein.

1907 (Juni) Konzert des Gesangsvereins im Garten der Gaststätte Roß am Abend mit Ball und bengalischem Feuer.
Anmerkung: Das erste Dorffest? [UL, 2011]

1907 (November) Herbstgeneralversammlung des Spar- und Darlehnskassenverein in Reddelich.
Der Vereinsvorsteher, Schulze Uplegger hielt einen Vortrag über die Dampfdresch – Genossenschaft

1908 (März) Generalversammlung des Spar – und Darlehnskassenverein.
Beschluss über Anschaffung eines Leichenwagens für das Kirchspiel Steffenshagen.

1908 (8. August) Gemeindeländereien und Bereitstellung von Baugrundstücken in Reddelich.
Zulegung von 7 ha, 14 a, und 75 m² aus den Ländereien der im Jahre 1907 aufgeteilten Hufe IX zu den Gemeindeländereien. Abtrennung einer Fläche von 1 ha, 96 a, 37 m² von den Gemeindeländereien für die Häuslerein 25 bis 33.
Die Fläche der Gemeindeländereien hat eine Größe von 23 ha, 76 a, 38 m², die verpachtet wurden.

1909 (Januar) Der 7. Sohn des Erbpächters Peter Barten wurde geboren.
Der Großherzog übernimmt für das 7. Kind die Patenschaft

1909 (19.Januar) Antrag zum Bau eines Lokomobilschuppens auf dem Allgemein – Unbrauchbaren der Feldmark Reddelich.
Die vor kurzen gegründeten Dampfdreschgenossenschaft, e.G.m.b.H., zu Reddelich beabsichtigte für ihren Dreschsatz einen Schuppen zu erbauen, der auf Steinfundament, im Übrigen aus Holz errichtet werden soll. Da ein geeigneter Bauplatz im Dorfe schwer zu bekommen war, hatte der Vorstand der Genossenschaft gebeten den Schuppen in der etwa 100 m nördlich vom Dorfe, am Weg nach Steffenshagen gelegene früheren Lehmgrube, die nicht mehr benutzt wurde, erbauen zu dürfen.
Dem Antrag wurde stattgegeben und mit dem Bau noch im selben Jahr begonnen.

1909 (März) Generalversammlung des Spar – und Darlehnskassenvereins.
Vorsitzender des Aufsichtsrates, Pastor Otto aus Steffenshagen begann mit einem Hoch auf Kaiser und Großherzog. Rechner, Lehrer Prösch verlas den Geschäftsbericht. Der Umsatz war von 300.000,- auf 462.000,- Mark und die Mitgliederzahl von 38 auf 44 gestiegen. Für das ausscheidende Aufsichtsratsmitglied Frahm sen. trat der Erbpächter Frahm in den Aufsichtsrat ein. Herr Pastor Otto hielt einen Vortrag über Raiffeisens Lebensgang und Lebenswerk.

1909 (31. Juli) Bau der Bäckerei in Reddelich.
Bäckermeister Richard Bernd errichtet als Häuslerei 33 eine Bäckerei.
Mehr dazu auf der Seite: Die Geschichte der Reddelicher Bäckerei

1910 (21. Januar) Großer Maskenball in der Gastwirtschaft Ross.

1910 (Februar) Generalversammlung des Spar- und Darlehnskassenvereins.
Die Spar- und Darlehensgenossenschaft hatte 48 Mitglieder. Es wurden 203 Sparkassenbücher, auf einen Betrag von 9.600,- Mark lautend, ausgegeben. Die Anschaffung eines Leichenwagens wurde beschlossen. Für die nächste Generalversammlung solte ein Entwurf zur Gründung einer Sterbekasse vorgelegt werden. Neue Statuten, wie vom Generalverband empfohlen, sollten ausgearbeitet werden.
Eintragung: Der Vereins wird in das Genossenschaftsregister mit e. G .m. u. H. eingetragen.

Gegenstand des Unternehmens ist die Beschaffung der zu Darlehn und Krediten an die Mitglieder erforderlichen Geldmittel und die Schaffung weiterer Einrichtungen zur Förderung der wirtschaftlichen Lage der Mitglieder, insbesondere:

  • Der gemeinschaftliche Bezug von Wirtschaftsbedürfnissen,
  • die Herstellung und der Absatz der Erzeugnisse des landwirtschaftlichen Betriebes und des ländlichen Gewerbefleißes auf gemeinschaftliche Rechnung sowie
  • die Beschaffung von Maschinen und sonstigen Gebrauchsgegenständen auf gemeinschaftliche Rechnung zur mietweisen Überlassung an die Mitglieder.

1910 (Februar) 18. Stiftungsfest des Männergesangvereins in Reddelich.
Gestaltet wurden Liedervorträge und das Theaterstück Truge Leiw, bei Verwendung von alten prachtvollen echten Kostümen. Alte Bauerntänze wurden aufgeführt.

1910 (September) Gedenken an die Schlacht von Sedan und Loigny im Deutsch – Französischen Krieg 1870/71.
In der siegreichen Schlacht bei Loigny, einem Dorf in der Nähe von Orleans, war der Großherzog Friedrich-Franz II. Oberbefehlshaber der deutschen Truppen.

1910 (November) Fahnenweihe des Gesangvereins mit Beteiligung von Gesangvereinen aus benachbarten Orten.

1910 (November) Lehrer Prösch veranstaltete eine Schulfeier zu Ehren des 100. Geburtstages von Fritz Reuter.
Er hielt einen Vortrag über Leben und Werk Fritz Reuters. Es fand eine gemeinsame Kaffeetafel der Kinder statt.

1910 (Dezember) Bericht der Molkereigenossenschaft im abgelaufenen 23. Geschäftsjahr.
Es wurden 1.825.295 Kilogramm Vollmilch angeliefert, wovon 1.733.073 Kilogramm verbuttert wurden. Bei einem durchschnittlichen Fettgehalt von 3,46 Prozent erhielt man 132.606 Pfund Butter. Einschließlich der zurückerhaltenen Magermilch erwirtschaftete die Genossenschaft 11,07 Pfennig pro Kilogramm Vollmilch.

1910 (1. Dezember) Einwohnerzahlen von Reddelich und Brodhagen:
Reddelich hatte 391, Brodhagen Dorf 88 und Brodhagen Hof 66 Einwohner.

1910 Rückgabe der Pachtung der Tongrube durch die Doberaner Töpfer, die diese seit 50 Jahren gepachtet hatten.

1912 Ablauf des Pachtvertrages und Auflösung der Kalkbrennerei in Brodhagen.
Der Ökonomierat R. Burmeister aus Vorderbollhagen hatte die Kalkbrennerei seit dem Jahr 1894 gepachtet. Zur Abnahme der Pachtung waren folgende Mitglieder der Amtsbehörde erschienen: Der 1. Beamte, Amtshauptmann H. von Oertzen, der Baurat A. Gaster (Doberan), der Distriktsingenieur Dreyer (Doberan) sowie der bisherige Pächter in Begleitung des Herrn Rittmeisters H. G. Bernhard, seines Schwiegersohnes und der unterzeichnende Referendar von der Lancken.
R. Burmeister wurde verpflichtet, bauliche Mängel zu den veranschlagten Kosten von 34,50 Mark zu beheben. Weiterhin mußte der ursprüngliche Zustand des Stallgebäudes, in dem eine Wohnung eingebaut wurde, wieder hergestellt werden. Folgende Gebäude waren abzureißen: Der Ringofen mit dem Schornstein, der Maschinenschuppen, das Gebäude mit der Stampfe und den Materialienschuppen.Das Gelände war einzuebnen. Von dem Pachtvorschuss in Höhe von 3.200,- Mark, den der Pächter 1894 gezahlt hatte, wurden für rückständige Pacht, für die Kosten zur Behebung der Baumängel und für Sicherheiten der noch zu leistenden Arbeiten 1.814,50 Mark abgezogen. Der an den bisherigen Pächter zu zahlende Betrag war auf sein Konto bei der Hypotheken- und Wechselbank in Doberan einzuzahlen.
In dem Wohnhaus auf der Kalkbrennerei wohnte der alte Kalkbrenner Tiedke mit seiner Frau und seinem erwachsenen Sohn.
Mehr dazu (Artikel)

1913 (August) Hundertjahrfeier bei Ivendorf.
Die Krieger- und Militärvereine veranstalteten im Forstrevier von Ivendorf am Amaliensee eine Hundertjahresfeier zum Gedächtnis der im Gefecht bei Retschow am 28. August 1813 gefallenen 3 freiwilligen Jäger aus Mecklenburg. Die Feier wurde durch den Vortrag der vereinigten Gesangvereine eröffnet. Die unter der Direktion des Lehrers Prösch, Dirigent des Reddelicher Gesangvereins, mit Begleitung der Doberaner Musikkapelle die Hymne von Beethoven Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre zu Gehör brachte.

1913 (Oktober) Errichtung eines Denkmalsteins in Reddelich anlässlich des 100. Jahrestages der Völkerschlacht bei Leipzig.
Der Krieger- und Militärverein sowie der Gesangsverein feierten den Gedenktag der Völkerschlacht bei Leipzig als Volksfest. Vormittags fand ein Festgottesdienst in Steffenshagen statt. Am Nachmittag wurde ein Festumzug durchgeführt. Es wurde eine Gedächtniseiche gepflanzt und ein Gedenkstein mit der Inschrift 18. 10.1813 – 18. 10.1913 enthüllt.
Mehr dazu (Artikel aus RADUCLE Nr. 8)

1913 (November) Gründung einer Ortsgruppe des konservativen Vereins von Doberan in Reddelich.
Zu Vorstandmitgliedern der Ortsgruppe des konservativen Vereins wurden Oberleutnant von Besser, Schulze Uplegger und Erbpächter Frahm gewählt.

1914 Beginn der Ersten Weltkrieges.

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Kapitel 6: Von der Gründung der Weimarer Republik 1918 bis zum Ende der NS – Diktatur 1945

1918 Ende des Ersten Weltkrieges.
Der Lebensnerv der mecklenburgischen Landwirtschaft wurde durch die Beschlagnahmung der Hälfte der Pferde und durch die Ablieferung von Vieh, Korn und Futter äußerst getroffen. Durch eine Landesbehörde für die Volksernährung sollte die Verteilung der Nahrungsmittel gesichert werden. Der Kohlrübenwinter 1916/17 führte wegen des Hungers zu spontanen Unruhen in den größeren Städten. Auch die Landbevölkerung war betroffen.

Die Gefallenen des I. Weltkrieges aus Reddelich:
Franz Baade (geb. 1890), Paul Bull (geb. 1882), Heinrich Bull (geb. 1893), Ludwig Dreyer (geb. 1886), Heinrich Feldberg (geb. 1890), Carl Fernow (geb. 1898), Hans Fernow (geb. 1896), Heinrich Frahm (geb.1887), Friedrich Peters (geb. 1887), Albert Schoenfeldt (geb. 1890), Heinrich Schultz (geb. 1889) und Wilhelm Westphal (geb. 1876)
Aus Brodhagen mussten Adolph Musch (geb. 1894), Wilhelm Pentzin (geb. 1896), Friedrich Rackow (geb. 1893) und Hermann Suhrke (geb. 1889) ihr Leben im I. Weltkrieg lassen.
Mehr dazu (kommentierte Aufstellung)

1919 Gründung des Freistaates Mecklenburg-Schwerin.

1920 (17. Mai) Verabschiedung der Landesverfassung des bürgerlich – demokratischen Freistaates Mecklenburg-Schwerin.
Die Amtseinteilung wurde zugunsten einer Einteilung in Verwaltungseinheiten entsprechend der heutigen Kreise abgeschafft. Die herrschaftlichen Domänen wurden in Landeseigentum überführt und weiterhin verpachtet. Die Ämter – auch das Doberaner Amt- werden aufgelöst und Kreise wurden Gebildet.

1920, Reddelich: Verkauf von vier keilförmigen Häuslerplätzen in der Größe von 2000 -2500 m² aus den Gemeindeländereien am Wege nach Glashagen.

1921 (2. Juli), Platz für ein Denkmal für die im I. Weltkrieg Gefallenen.
Die Gemeinde Reddelich hatte, um einen geeigneten Platz zu einem Denkmal für die im Weltkriege Gefallenen zu erhalten mit dem Besitzer der Häuslerei 20 den Tausch einer 100 m² großen Fläche mit einem etwa 1370 m² großen der Gemeinde gehörigen Ackerstück, welches der Häuslerei Nr. 20 jenseits der Chaussee gegenüber liegt. Dieser Tausch ist vom zuständigen Amt genehmigt und das Denkmal errichtet worden.

1921 Zum Bau der Häuslereien 34 bis 37 in Reddelich wurden Staatsbeihilfen bereitgestellt.
Mehr dazu unter: Die Geschichte der Reddelicher Häuslereien.

1922 Im Zuge der Umstellung auf Kohlanbau ließ Bauer Barten aus Reddelich die Kohlscheune errichten.
Einzelheiten sind auf der Seite: [UL, 2011]

1922/1923 Inflation und Auszahlung des Kanonskapitals durch die Bauern.
Das Kapital, bestehend aus Papiermark wurde im Verhältnis von 4 zu 1 in Goldmark aufgewertet.

1925 Verzeichnis der im Dorf Brodhagen wohnenden Pächter des Amtsreservat zu Hof Brodhagen.
Mehr dazu (Tabelle)

1926 Verpachtung von Hof Brodhagen an Paul Dierks (bis 1941).

1926 Mecklenburg hat 784.000 Einwohner.
Die Besitzverhältnisse in der Landwirtschaft waren: 3,6 % der Landwirte besaßen 62 % des Bodens und 60,7 % nur 3,7 %.

1928 (15. Dezember) Brand auf dem Bauernhof VIII.
Durch Brandstiftung des Pferdeknechtes Ernst Reiter brannte der Kuh- und Pferdestall des Bauern Joachim Baade, der den Hof an seinen Schwiegersohn Schmidt verpachtet hatte, ab.
Mehr dazu auf der Seite der Hufe VIII.

1930 (16. Dezember) Abtrennung von 1909 m² Fläche von einer Bauernstelle zwecks Errichtung der Häuslerei 38.
Mehr dazu auf der Seite der Reddelicher Häuslereien.

1931 (23. Juni) Abtrennung einer Häuslerparzelle (650 m²) aus den Gemeindeländereien für den Arbeiter Hermann Zirbel, Häuslerei 39.
Mehr dazu auf der Seite der Reddelicher Häuslereien.

1930 verkaufte Frau Bernd, die Bäckerei an den Bäckermeister Hans Möller aus Bützow.
Mehr dazu auf der Seite: Die Geschichte der Reddelicher Bäckerei

1930 Johann Gosselk zeichnete nach den Angaben des Gewährsmanns Peter Barten eine Ortsskizze von Reddelich mit den Flurnamen.
Mehr dazu (Karte)

1931 Das 1867 auf der Hufe VIII erbaute Haus wurde mit Gartenland aus dem Bauernhof herausgetrennt und als Häuslerei 38 an Otto Schulz, Landarbeiter bei Hans Barten, verkauft.
Der Besitzer der Bauernstelle benötigte das Geld, um seinen Schwager und langjährigen Pächter des Hofes Schmidt abzufinden. Dieses Haus steht, modernisiert, noch heute.
Mehr dazu auf der Seite der Reddelicher Häuslereien. und
der Seite der Reddelicher Hufe VIII.

1932 NSDAP stellte nach Wahlen die Landesregierung.

1932 Entschuldung des Hofes Brodhagen, (Pächter Paul Dierks).
Ein Entschuldungsdarlehen in Höhe von 26.000,- RM wurde gewährt.
Inhalt des Berichtsbogens:

  • Organisation ist risikoreich, Führung mäßig, landwirtschaftliche und kaufmännische Fähigkeiten gering, sie bieten wenig Sicherheiten für Kreditierung zur Entschuldung.
  • Fruchtfolge auf 7 Schlägen: Hackfrucht – Sommerung –Sommerung – Hülsenfrüchte – Sommerung – Sommerung – Winterung. Diese bietet bei einer Winterung nur geringen wirtschaftlichen Erfolg
  • Lebendes Inventar: 15 Pferde, 8 Fohlen, 8 Mastochsen, 1 Bullen, 23 Kühe, 17 Jungvieh, 3 Kälber, 14 Zuchtschweine, 58 Läufer und 7 Ferkel Rinderbesatz wird als gut, Schweinebesatz als nicht ausreichend eingeschätzt.
  • Totes Inventar: 1 Dreschsatz, 2 Saatreinigungsanlagen, 1 Strohpresse, 1 Drillmaschine, 6 Mähmaschinen und 2 Düngerstreuer
  • Abgaben: Pacht 6.450,00 Mark, Pfarre 113,00 Mark und Küster 65,00 Mark
  • Beschäftigte: 2 Gesinde, 9 Deputanten, 1 Hofgänger, 2 Freiarbeiter für 10 Wochen, 8 Wanderarbeiter

1933 Folgende Flächen wurden der Domäne Brodhagen entnommen:
Für die Büdnerei Meyer 7,7785 ha, für das Amtsreservat 6,0606 ha, für das allgemein Unbrauchbare 0,2224ha

1933 (31. März) Gleichschaltung der Länder mit dem Reich.
Gauleiter Hildebrandt wurde Reichsstatthalter von Mecklenburg.

1933 (13. September) Der Reichsnährstand wurde im Jahr der nationalsozialistischen Machtübernahme gegründet.
Alle Institutionen und Personen die mit der Erzeugung, dem Vertrieb und der Preisbildung von landwirtschaftlichen Produkten befasst waren, mussten Mitglied im Reichsnährstand sein. Geleitet wurden die Landes-, Kreis- und Ortsbauernschaften von Bauernführern. Ortsbauernführer in Reddelich war Otto Garbe, in Brodhagen der Pächter von Hof Brodhagen, Dierks. Bezeichnend für die Aufgabe des Reichsnährstandes war das Emblem, ein Hakenkreuz (Politik) mit einer Ähre (Ernährung) und einem Schwert (Krieg).

1933 (29. September) Erlass des Reichserbhofgesetzes durch die Nationalsozialistische Regierung.
Landwirtschaftliche Betriebe einer Größe von 7,5 ha bis 125 ha konnten Erbhöfe werden. Nur Erbhofeigentümer wurden als Bauern bezeichnet, alle anderen als Landwirte. Bauer aber konnte nur werden, wer deutschen und stammesgleichen Blutes war. Damit diente das Gesetz der nationalsozialistischen Blut- und Bodenideologie. Erbhöfe waren nur als Ganzes vererbbar aber nicht veräußerlich und durften nicht durch Schulden belastet werden. Dadurch sollten die Höfe vor Überschuldung und Zersplitterung im Erbgang geschützt werden. Erpachthöfe konnten als Erbhöfe erworben werden.

1933 (10 .Oktober) Christian Zickert kaufte die Büdnerei 1 von Brodhagen, – die ehemalige Kalkbrennerei – aus der Konkursmasse der Dampfziegelei Heinrich Höppner GmbH Rostock – Papendorf.
Mehr dazu (Artikel)

1934 (1. Januar) Vereinigung beider Mecklenburg zum Gau Mecklenburg.

1934 (7. Mai) Schule Brodhagen wurde einklassig.
Wegen Rückgang der Schulkinderzahlen war die Schule in Brodhagen vom 7. Mai bis auf weiteres einklassig zu betreiben. Die Lehreranwärterin Schröder wurde zu diesem Zeitpunkt aus Brodhagen abberufen.

1934 Errichtung eines Lagerschuppens des Spar- und Darlehnskassenverein in Reddelich.
Eine Fläche von 1371 m² wird von der Häuslerei 20 zur Errichtung einer Häuslerei 40 für den Spar- und Darlehenskassenverein abgetrennt.
Mehr dazu auf der Seite der Reddelicher Häuslereien.

1935 Rückübertragung der Brodhäger Siedlungsbüdnerei Meyer zur Domäne (6,6720 ha), sowie 1,1065 ha aus dem Amtsreservat.

1937 Abtrennung einer Fläche von 2185 m² aus den Gemeindeländereien Reddelichs zur Bildung der Häuslerei 41.
Mehr dazu auf der Seite der Reddelicher Häuslereien.

1938 Werner Susemihl übernimmt die Stellmacherei in Reddelich von seinem Vater Hermann.
Mehr dazu auf der Seite der Reddelicher Häuslereien.

1938 Für den Hof Brodhagen waren folgende Schulden verzeichnet:
Pächterkredit 8.000,- RM, Entschuldungsdarlehen 26.000,- RM, Überhang 8715,88 RM davon im Jahre 1939 8024,18 RM, an den Reichsnährstand gehen 264,40 RM.

1940 Wirtschaftsgebäude der Büdnerei 18 (Neckel) durch Blitzschlag in Brand gesetzt.
Mehr dazu auf der Seite der Reddelicher Büdnereien.

1941 Pachtverlängerung des Hofes Brodhagen für Paul Dierks bis 1945.
Größe des Hofes: Garten 19.370 m², Acker 140,033 ha, Wiese 29,649 ha, Weide 2.707 m². Durch den Wechsel von schweren Lehm- und leichten Sandboden werden geringe Erträge erzielt. Urteil der Gauleitung zur Pachtverlängerung: „Dierks ist Parteigenosse seit 1932, Mitgliedsnummer 1.372.411, charakterlich und politisch einwandfrei, keine politische Bedenken für eine Weiterverpachtung.“
Es bestanden Schwierigkeiten bei der Feldbestellung, da Pferde für den Kriegseinsatz abgezogen wurden.

1941 (06. Dezember) Zusammenlegung der Gemarkung von Hof und Dorf Brodhagen zu einer Gemeinde.

1944/45 vergrößert sich die Einwohnerzahl Mecklenburgs durch die Aufnahme von Flüchtlingen aus den früheren deutschen Ostgebieten, 44 % der Bewohner sind Flüchtlinge und Vertriebene.

1945 (8. Mai) Die bedingungslose Kapitulation Deutschlands besiegelte das Ende des II. Weltkrieges.

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Kapitel 7: Von der Besatzungszeit 1945 bis zum Beitritt der DDR zur BRD 1990

1945 Mecklenburg gehört zur Sowjetischen Besatzungszone.

1945 Übersicht der Bebauung und Einwohner Reddelichs (ohne Kriegsflüchtlinge).[UL, 09/2011]
Mehr dazu (Lageskizze mit Einwohnerliste)

1945 (Mai) Wilhelm Rowoldt wurde als Bürgermeister in Reddelich eingesetzt.
Die kommissarische Stadtverwaltung von Bad Doberan bestätigte ihn in Abstimmung mit der sowjetischen Kommandantur, obwohl er seit 1942 Mitglied der NSDAP war im Amt, wegen seiner guten Arbeit.

1945 (5. September) Bildung des Landes Mecklenburg–Vorpommern.

1945 Bodenreform
In Reddelich erhielten einige Büdner und Häusler Ackerland vom Gut Steffenshagen. In Brodhagen wurde das Gut aufgesiedelt und 21 Familien (12 Umsiedler und 9 Einheimische) erhielten eine Neubauernstelle.

1946 Ein Gesetz zur Schulreform wurde erlassen.

1947 Mecklenburg–Vorpommern wurde in Mecklenburg umbenannt.

1947 (4. Februar) Beschluss der Entnazifizierungskommission des Kreis Bad Doberan.
Auf Grund der Direktive 24 wurde der Bürgermeisters Wilhelm Rowoldt wegen seiner NSDAP-Mitgliedschaft abgelöst.
Von der Gemeindevertretung wurden gewählt: Friedrich Wilhelm Wollenberg zum Bürgermeister, Albrecht Garbe zum Stellvertreter und Karl Doese zum Schriftführer. Mitglieder der damaligen Gemeindevertretung waren weiterhin: Heinrich Köpcke, Hermann Bannow, Otto Schultz, Paul Hallier Heinrich Mamerow, Wilhelm Schönfeldt, Otto Kruth, Carl Dreyer, Wilhelm Westendorf und Otto Voss.

1947 Schaffung eines zweiten Klassenraumes in der Reddelicher Schule.
Die Klassen 1 – 4 und die Klassen 5 – 8 wurden fortan jeweils in einem Klassenraum unterrichtet.

1949 (7. Oktober) Gründung der Deutschen Demokratischen Republik.
Mecklenburg wurde, wie alle Länder der SBZ, Land der DDR

1950 (12.Juli) Zusammenlegung von Reddelich und Brodhagen zu einer Gemeinde.
Es wurden gewählt: Wilhelm Rowoldt als Bürgermeister, Friedrich Dürre, Carl Dreyer und Karl Kochale(beratend) als weitere Mitglieder des Gemeinderates. Zum Vorsitzenden der Gemeindevertretung wurde Paul Hallier bestimmt, zum Stellvertreter Paul Reimer und zur Schriftführerin Frau Kubsch. Weitere Mitglieder der Gemeindvertretung waren: Otto Schultz, Wilhelm Westendorf, Heinrich Köpcke, Otto Voss, Heinrich Mamerow, Friedrich Wilhelm Wollenberg, Wilhelm Schönfeldt, Otto Kruth, Paul Reimer, Wilhelm Rachow, Reinhold Wunderlich, Friedrich Laube und Gerhard Zickert.
Anmerkung: Die Fusion kam auf Druck der übergeordneten Verwaltung zustande. [UL 11/2011]
Mehr dazu (Protokoll GVS)

1951 (Januar) Übersicht über die landwirtschaftlichen Betriebe der Gemeinde.

  • Reddelicher Großbauern: Albrecht Brinkmann, Otto Kruth, Hans Barten, Willy Kruth, Otto Garbe, Wilhelm Uplegger, Hermann Baade und Albrecht Baade
  • Reddelicher Kleinbauern: Wilhelm Rowoldt, Hans Reincke, Ilse Ziwanowic, Paul Uplegger, Ludwig Woest, Karoline Köpcke, Franz Lux, Albert Utesch, Wilhelm Vanheiden, Frieda Hameister, Anneliese Kruth, Robert Gutmann, Werner Jenß, Otto Westphal, Christine Petermann, Wilhelm Westendorf, Friedrich Peters sen. und Fritz Pieper
  • Brodhäger Kleinbauern: Paul Reimer, Friedrich Dürre, Pentzien, Willi Meyer, Gerhard Zickert, Herbert Bull, Ewald Amon, Willi Rachow, Hans Zemke, Hermann Pieper, Bruno Tomaneck, Martin Wallat, Emil Lorenschat, Josef Gaedig, Albert Harms, Anna Steffen, Friedrich Laubert, Wilhelm Frahm, August Hanke, Robert Pluschkall, Friedrich Haseleu, August Hoppe, Willi Urban, Friedrich Holst, Konrad Dujat, Reinhold Wunderlich, Heinrich Harms, Hans Roggelin, Fritz Thielk, Willi Blum und Walter Dürre

1951 (November) Die Gemeinde hat 842 Einwohner.

1952 (1. August) Bildung der Bezirke Rostock, Schwerin und Neubrandenburg.

1953 (Februar) Bildung einer LPG in Brodhagen.
In Brodhagen gründeten sieben Einzelbauern die LPG Typ IIILeuchtender Morgen‘. Sie übernahmen bei der Gründung den Örtlichen Landwirtschaftsbetrieb(ÖLB), der aus zwei ehemaligen Großbauernwirtschaften bestand.

1953 (14. September) (?)Kugel übernahm die Amtsgeschäfte als Bürgermeister der Gemeinde [UL, 07/2011]
Mehr dazu (Übergabeprotokoll)

1954 Wilhelm Paul wurde Bürgermeister der Gemeinde Reddelich – Brodhagen.

1954 (1. Dezember) Gründung einer LPG in Reddelich.
In Reddelich wurde die LPG Typ III Glückliche Zukunft, bestehend aus den ehemaligen Bauernstellen Garbe, Uplegger und Willy Kruth gegründet.

1954 Die Schüler der 7. und 8. Klassen aus Reddelich wurden fortan in Bad Doberan beschult.

1955 Brodhagen wird an die öffentliche Stromversorgung angeschlossen.

1956 Die Bauernstelle Otto Kruth wurde von der LPG übernommen.

1958 Horst Susemihl übernimmt die Stellmacherei in Reddelich von seinem Vater Werner.
Mehr dazu auf der Seite der Reddelicher Häuslereien.

1959 (3. Februar) Die Konsum Genossenschaft übernahm die Gaststätte Reddelich (Häuslerei 6) von der Familie Schumacher.
Mit der Bewirtschaftung der Gaststätte an der damaligen F 105 (Heute B 105) wurde das Ehepaar Irma und Ernst Reincke betraut.
Mehr dazu auf der Seite der Reddelicher Häuslereien.

1960 Reddelich wurde vollgenossenschaftlich.
Die Büdner Bartschat, Hoffmann, Lux, Käkenmeister, Wesphal, Jens, Utesch und Houtkooper gründen die LPG Typ I Reiche Ernte.

1961 Die Bauernstelle Barten wurde durch die LPG ›Glückliche Zukunft‹ übernommen.
Mehr dazu auf der Seite: Die Geschichte des Bauernhofes Barten

1961 Bäckermeister Paul Marienfedt übernahm mit seiner Frau Christine die Bäckerei (Häuslerei 33) in Reddelich.
Mehr dazu auf der Seite der Reddelicher Häuslereien.

1962 Wahl von Fritz Gratopp zum Bürgermeister.

1962 Gründung der Frauengruppe der Freiwilligen Feuerwehr.

1963 Auf der Büdnerei 22 eröffnete Bruno Franz eine Schlosserei.
Vorher wurde dort durch den Besitzer Peterman eine Brüterei betrieben.
Mehr dazu auf der Seite der Reddelicher Büdnereien.

1965 wurde ein Mehrzweckgebäude in Reddelich durch freiwillige Aufbaustunden gebaut.
Das Gebäude wurde durch gesellschaftliche Organisationen und für gesellige Zusammenkünfte genutzt.

1965 kauften die Pächter Marienfeld die Bäckerei von Frau Möller.
Mehr dazu auf der Seite: Die Geschichte der Reddelicher Bäckerei

1966 Die Schule in Reddelich wurde aufgelöst.
Die Schüler bis zur 4. Klasse wurden fortan in Steffenshagen unterrichtet, die übrigen in Bad Doberan.

1968 Gründung der LPG ›Immer bereit‹.
Aus den LPGen Steffenshagen, Brodhagen und Reddelich sowie aus der Kooperationsgenossenschaft Steffenshagen, Reddelich und Brodhagen wird die LPG gegründet.

1968 (19. November) 35 Einwohner von Reddelich und Steffenshagen gründeten den Chor «Kühlung» unter Leitung von Karl-Heinz Pohle.
Siehe auch RADUCLE, Ausgabe 1 von Juli 2005 [UL, 10/2011]
Mehr dazu (Kurzexposé auf der Gemeindeseite)

1970/71 (Silvesternacht) Brand des mit Reed gedeckten Schweinestalles der LPG auf dem ehemaligen Bauernhof Brinkmann.

1970 Gründung der landwirtschaftlichen Kooperation ›Kühlung‹.
Die LPGen Kühlungsborn, Hinterbollhagen, Jennewitz, Brusow, Kröpelin, Schmadebeck und Altenhagen schließen sich der Kooperation an.

1972 Einweihung des neuen Gerätehauses der Freiwilligen Feuerwehr.

1973 (26. November) Brand der Feldscheune des ehemaligen Bauernhofes von Albrecht Baade.

1973 Einrichtung eines Kindergartens mit Krippe im Haus von Frau Bartels.

1975 Bau einer festen Straße von der F 105 nach Brodhagen.

1973 Beginn mit dem Bau einer Wasserleitung zum Anschluß an die zentrale Wasserversorgung für Reddelich.

1978 Norbert Temlin wurde Bürgermeister der Gemeinde.

1979 Die Gemeinde hatte 564 Einwohner.

1979 (November) Die OZ veröffentlicht einen Bericht über Reddelich [UL, 07/2011]
Mehr dazu (Zeitungsausriß)

1980 Rüdiger Tiergart wurde Bürgermeister der Gemeinde.

1981 Siegfried Marquardt wurde Bürgermeister der Gemeinde.

1984 Anschluss Brodhagens an die zentrale Wasserversorgung.

1984 (Mai) Kommunalwahlen
Als Bürgermeister wurde Siegfried Marquardt wieder gewählt.

1985 Beginn mit der Umstellung der Energieversorgung von Freileitung auf Erdkabel in der Ortslage.

1987 (07. Oktober) Verleihung der ›Medaille für Verdienste im Brandschutz‹ durch den Minister des Innern der .

1985 Beginn des Umbaus des Gutshauses in Brodhagen zu einem Mietshaus mit sechs Wohnungen.

1989 (Mai) Kommunalwahlen
Zum Bürgermeister wurde Joachim Morawietz gewählt.

1989 (Juni) Fertigstellung der zentralen Abwasseranlage in Reddelich.

1989 (05. Oktober) Übergabe des Jugendklubhauses mit 150 Plätzen im Saal und 20 Plätzen in der Gaststätte.
Anmerkung: Das Gebäude wird seit 2006 von der Firma Hackendahl als Partyhaus genutzt. [UL 07/2011]

1990 (3. Oktober) Beitritt der DDR zur BRD durch einen Staatsvertrag.
Mit dem Beitritt wurden die Verwaltungsstrukturen der DDR aufgelöst. Neukonstituierung des Landes Mecklenburg – Vorpommern.

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Kapitel 8: Die politische Wende und Ankunft in der BRD 1990 bis zur Gegenwart

1990 Die Gaststätte an der B 105 (Häuslerei 6) wurde geschlossen.
Die Betreiber, Irma und Ernst Reincke, gehen nach 31 Jahren der Bewirtschaftung der Gaststätte in den Ruhestand.
Mehr dazu auf der Seite der Reddelicher Häuslereien.

1991 (20. Juli) Übergabe des sanierten Gehwegs an der B 105.

1991(19. November) Fertigstellung und Übergabe der Steffenshäger Straße durch die Firma Svenson GmbH.

1991 Bildung des Amtes Bad Doberan-Land.
Das Amt Bad Doberan Land ist eine Verwaltungsgemeinschaft aus den Gemeinden Admannshagen, Alt-Karin, Bargeshagen, Börgerende/Rethwisch, Hohenfelde, Nienhagen, Parkentin, Reddelich/Brodhagen, Retschow und Steffenshagen.
Anmerkung: Erster Amtsleiter wurde der ehemalige Bürgermeister Reddelichs, Joachim Morawietz. [UL, 08/2011]

1991 (17. Dezember) Die 23 Mitglieder (darunter 3 Männer) des Chores «Kühlung» gründeten in Reddelich einen Verein.
Mehr dazu (Kurzexposé auf der Gemeindeseite)

1992 Die Gemeinde hatte 515 Einwohner.

1992 Erweiterung des Feuerwehrgerätehauses durch einen Anbau.

1992 (26. September) Beginn mit dem Bau des Gewerbegebietes in Reddelich.
Auf der Ackerfläche zwischen B 105 und der Dorfstraße [Anm. UL: Seit 2007 ›Alte Dorfstraße‹] wurde nachfolgend ein Gewerbegebiet mit einer Größe von 16 ha erschlossen.
Der Ministerpräsident von M-V, Berndt Seite vollzog den symbolischen ‚ersten Spatenstich‘.

1992 Fertigstellung der Straße nach Steffenshagen und der Erdgasleitung von Reddelich nach Hinterbollhagen.

1993 Fertigstellung des neuen Feuerwehrhauses, des Rad- und Wanderweges nach Brodhagen, des überdachten Wartehäuschen an der Bushaltstelle.

1994 Kreisgebietsreform
Ein Großkreis mit Güstrow als Kreisstadt wurde abgelehnt und ein Umlandkreis um Rostock mit der Kreisstadt Bad Doberan wurde gebildet.

1994 (22. April) In Reddelich wurde durch 9 Bürger eine unabhängige Wählergemeinschaft für Reddelich und Brodhagen gegründet.
Zweck war vorrangig ein Aufbruch alter Strukturen in der Gemeindearbeit durch Aufstellung eigener Kandidaten zur Kommunalwahl. Mit der alten Vertretung war, nach Ansicht der Mitglieder, eine Zukunft als finanziell unabhängige und verwaltungstechnisch eigenständige Gemeinde nicht zu erreichen.
Zum Vorsitzenden wurde der Hauptinitiator Detlef Schütt aus Brodhagen gewählt. [UL, 09/2011]

1994 (1. Dezember) Detlef Schütt trat vom Ehrenamt als Bürgermeister zurück.
Grund war neben gesundheitlichen Problemen auch ein fehlender Rückhalt in der Gemeindevertretung und eine offensichtliche Blockadehaltung der Amtsverwaltung. [UL, 09/2011]
Mehr dazu (Zeitungsausriss OZ)

1995 Mecklenburg feierte sein tausendjähriges Bestehen

1995 (03. Januar) Wahl des Bürgermeisters Erhard Rünger

1995 (01. September) Generationswechsel in der Bäckerei Marienfeldt (Häuslerei 33)
Der Sohn, Bäckermeister Ulf Marienfeldt, übernahm mit seiner Lebensgefährtin Heike Tessmer die Bäckerei von den Eltern, die diese bisher 34 Jahre geführt hatten.
Mehr dazu auf der Seite: Die Geschichte der Reddelicher Bäckerei

1996 Brand der ehemaligen Kohlscheune Barten in der Dorfstraße
Das Gebäude wurde zuletzt als Lager für Baumaterial genutzt und war bereits stark baufällig.[UL, 08/2011]
Mehr dazu auf der Seite: Die Geschichte des Bauernhofes Barten

2002 (12. März) etablierte sich in Reddelich eine Frauenspotgruppe [UL, 12/2011]
Mehr dazu (Projektseite)

2005 (1. Juli) Die erste Ausgabe der Dorfzeitung RADUCLE für Reddelich und Brodhagen erschien.
Bürger der Gemeinde, allesamt keine Profis in Sachen Medien, schrieben nachdenkliches, historisches, dokumentarisches, aktuelles… in unbezahlter, unabhängiger und eigenständiger Arbeit. (UL 10/2011)
Mehr dazu (Ausgabenübersicht)

2005 (Dezember) Der Bürgermeister der Gemeinde, Gerd Zickert trat aus persönlichen Gründen vom Amt zurück.
Damit wurde sein Stellvertreter Andreas Elmer, der das Amt kommissarisch bis zur Neuwahl ausübte, zum jüngsten Bürgermeister in Mecklenburg-Vorpommern. [UL, 10/2011]

2006 (April) In einer Stichwahl wurde Erhard Rünger zum Bürgermeister der Gemeinde gewählt. [UL, 10/2011]

2007 (April) In Reddelich wurde der ›Kulturverein für Reddelich und Brodhagen e.V.‹ gegründet. [UL, 09/2011]
Mehr dazu (Gründungsbericht)

2007 (Juni) Reddelich rückte in das Interesse überregionaler Medien.
Im Rahmen des G 8 Gipfels in Heiligendamm stellte Reddelich im Gewerbegebiet Fläche für ein Camp von Gegnern des Gipfeltreffens zur Verfügung. Durch diese, in der Gemeinde kontrovers bewertete, Entscheidung der Gemeindevertretung rückte Reddelich zeitweise in den Fokus der Berichterstattung rund um den G 8 Gipfel.
Siehe auch RADUCLE, Ausgabe 5 von Juli 2007. [UL, 10/2011]

2009 (Mai) Eine Lageskizze mit Einwohnerliste Reddelichs im Jahr 1945 wurde erstellt.
Der Dresdener, Prof. Dr. Erich Dreyer, ein ehemaliger Reddelicher hat einen Lageplan von Reddelich im Jahr 1945 gezeichnet und eine Einwohnerliste dazu erstellt. Diese Arbeit entstand als Gedächtnisprotokoll nach vielen Gesprächen mit Reddelichern, deren Erinnerungen in die Arbeit eingeflossen sind. [UL 09/2011]
Mehr dazu (Lageskizze)

2009 (Juni) Wahl der Gemeindvertretung und des Bürgermeisters, zu dem Erhard Rünger wiedergewählt wurde.
Zur Kommunalwahl 2009 veröffentlichte die RADCLE einen Sonderteil mit einem Bericht und einem Kommentar zur Abstimmung in der Gemeinde, ein Interview mit dem Bürgermeister sowie Kurzvorstellungen der Gemeindevertreter. [UL 10/2011]
Mehr dazu (Wahlsonderteil der RADUCLE)

2009 (29. November) Gründung des ›Verein Feuerwehr Reddelich e. V.‹.
Zum Vorsitzenden wurde Matthias Elmer gewählt. In der Satzung heißt es unter anderem: »Zweck des Vereins ist die Förderung des Feuerschutzes, der Jugend und des Sportes in der Feuerwehr [und] in der Gemeinde Reddelich/Brodhagen«. [UL, 10/2011)

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