Zum Reddelicher Gedenkstein von 1913

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Faksimile Ostsee-Bote
Ausriß aus Ostsee-Bote
Reddelicher Gedenkstein mit Gedächtniseiche von 1813 in 2008
Gedenkstein mit Gedächtniseiche von 1813, in der Alten Dorfstraße, in einer Ansicht von 2008
Reddelicher Gedenkstein mit Gedächtniseiche von 1813 in 2008
Gedenkstein von 1813 unter der Gedächtniseiche in einer Ansicht 2008
Reddelicher Gedenkstein von 1813 in 2008
Inschrift des Gedenksteins

In der RADUCLE Nr. 8 veröffentlichte Klaus Kretschmann nachfolgenden Artikel über den Gedenkstein in der Alten Dorfstraße:

In der vorigen Ausgabe der RADUCLE schrieben Bernd Thielke und ich in dem Artikel zum Hanseatenweg über den Gedenkstein an der Ecke Bäudnerbarg / Alte Dorfstraße gegenüber der Bäckerei Harms. Wir vertraten die Ansicht, dass dieser Stein an das erfolgreiche Gefecht der verbündeten mecklenburgischen, preußischen und schwedischen Truppen einhundert Jahre zuvor bei Retschow am 28.August 1813 und die anschließende Vertreibung der napoleonischen Truppen aus Mecklenburg erinnern sollte. Richtig ist der Bezug zu der Befreiung von der napoleonischen Fremdherrschaft im Jahre 1813. Aber der Anlass für das Setzen des Gedenksteines und das Pflanzen der dort befindlichen Eiche war ein anderer. In ganz Deutschland fanden 1913 Gedenkveranstaltungen zum 100. Jahrestag der Völkerschlacht bei Leipzig vom 16. bis 18.10.1813 statt, die zur Niederlage der Franzosen unter Napoleon führte und diesen zur Räumung Deutschlands zwang. Lesen Sie zu der 100-Jahrfeier in Reddelich bitte den folgenden, ungekürzten Bericht aus dem Ostsee-Boten, einem lokalen Anzeiger für Kröpelin, Doberan und Umgebung:

»Reddelich, 23. Oktober Der Krieger- und Militärverein sowie der Gesangverein feierten am letzten Sonntag den Gedenktag der Völkerschlacht bei Leipzig als Volksfest. Vormittags fand [ein] Festgottesdienst in Steffenshagen statt. Nachmittags 4:00 Uhr versammelten sich die Festteilnehmer im Vereinslokal zu einem Festzug durch das geschmückte Dorf zu der Sieges- und Friedenseiche und Gedenktafel von 1870/71. Hier hielt Herr Oberleutnant von Besser, Reddelich, eine Ansprache, welche in einem Hoch auf Kaiser und Großherzog ausklang, worauf von den Anwesenden die Hymne gesungen wurde. Der Gesangverein brachte das Lied Hör uns, Allmächtiger sehr stimmungsvoll zu Gehör. Darauf bewegte sich der Festzug zurück nach dem Dorf, woselbst eine Gedächtniseiche gepflanzt und ein Gedenkstein mit der Inschrift: 18.10.1813. 18.10.1913. enthüllt worden ist. Herr Lehrer Bausch, Glashagen, hielt die Festrede. Es wurde Wacht am Rhein; und vom Gesangverein die Lieder Vater ich rufe Dich und Lützows wilde Jagd gesungen. Herr Oberleutnant von Besser übergab Eiche und Stein der Gemeinde zum Schutze, worauf Herr Uplegger [der damalige Dorfschulze] diese mit einer kurzen Erwiderung entgegennahm. Sodann marschierte der Festzug zum Holzstoß. Hier hielt Herr Oberleutnant von Besser eine kernige Festrede, welche mit einem Hoch auf Kaiser und Reich und dem Lied Deutschland über alles endete. Im Vereinslokale wurden von Herrn Bollow, Güstrow, hoch- und platt- deutsche Deklamationen zum Vortrag gebracht. Ein Ball [be]endetet dieses so schöne Fest.«
[Quelle: Ostsee-Bote vom 24.10.1913, Archiv der Kreisverwaltung Bad Doberan]

Natürlich wollen wir diesen Artikel nicht unkommentiert lassen. Schließlich begann nur ein paar Monate später, im Sommer 1914, der Erste Weltkrieg, ein imperialistischer Eroberungskrieg um die Neuverteilung der Welt. Wir können uns sehr gut vorstellen, welchen Inhalt die »kernige Festrede« des Oberleutnant von Besser hatte. Denn die meisten jungen Leute, auch aus Reddelich und Brodhagen, zogen bei Kriegsbeginn, beeinflusst durch die damalige Propaganda, mit Begeisterung in den Krieg, der nach vier Jahren mit unendlichen Opfern und einer Niederlage Deutschlands endete. (…)